Wirtschaft : Monatsbericht der Bundesbank: Staat soll Markt für Wagniskapital stärker fördern

Die Deutsche Bundesbank spricht sich in ihrem aktuellen Monatsbericht für eine weitere staatliche Unterstützung des Wagniskapitalmarktes aus. Das Angebot an Wagniskapital habe sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark verbessert, stellt das Institut als Ergebnis einer Marktanalyse fest.

Das zeige sich am starken Anstieg des Investitionsvolumens ebenso wie an der Gründungswelle bei den Beteiligungsgesellschaften. Die inzwischen rund 250 Gesellschaften schöben jedoch erhebliche ungenutzte Fondsmittel vor sich her. Das spreche dafür, "dass bisher nur ein begrenztes Reservoir an lohnenden Investitionsprojekten existiere".

Um das zu ändern, muss der Staat nach Auffassung der Bundesbank ein günstiges Innovationsklima fördern und "angemessene Anreizstrukturen im institutionalisierten und im informellen Markt für Wagniskapital" schaffen. Er müsse also sowohl die Investitionsbereitschaft der Wagniskapitalgesellschaften erhöhen als auch die der Business Angels, also der vermögenden Privatinvestoren, die sich an jungen Unternehmen beteiligen.

Die Zahl der Gesellschaften, die vorwiegend jungen Unternehmen eine Kapitalbeteiligung bieten, hat sich dem Bericht zufolge von 1997 bis 1999 zufolge verdoppelt. Ähnlich kräftig stiegen der Anteil am Beteiligungsvolumen am Bruttoinlandsprodukt, das anlagebereite Fondsvolumen und die jährlichen Bruttoinvestitionen im Wagniskapitalmarkt.

Dennoch blieb Deutschland den Angaben zufolge im vergangenen Jahr beim Zuwachs der Bruttoinvestitionen mit 61 Prozent leicht hinter dem europäischen Durchschnitt und deutlich hinter dem Zuwachs in den USA von 152 Prozent zurück. Während in Deutschland 1999 drei Milliarden Euro (rund 5,85 Milliarden Mark) an Wagniskapital investiert wurden, waren es in den USA 48 Milliarden Dollar (rund 112 Milliarden Mark).

Sowohl der Bund als auch die Länder engagieren sich seit einigen Jahren auf dem Wagniskapitalmarkt. Der Bund unterstützt Venture-Capital-Investitionen einerseits, indem er über die Technologiebeteiligungsgesellschaft (tbg) der Deutschen Ausgleichsbank als Co-Investor der Beteiligungsgesellschaften auftritt und andererseits, indem er über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) günstige Refinanzierungsmöglichkeiten für Venture-Capital-Gesellschaften anbietet. Auf beiden Wegen verringert er das Risiko der Investitionen in Wagniskapital erheblich. Im Ausland existieren Fördermodelle in diesem Ausmaß nicht.

Die Bundesbank begrüßt in ihrem Bericht die Steuerbefreiung der Verkäufe von Firmenbeteiligungen im Zuge der Steuerreform vom Jahr 2002 an. Sie sorge dafür, dass "Wagniskapital künftig schneller und besser dahin fließen kann, wo es benötigt wird". Business Angels als Einzelpersonen müssten jedoch Veräußerungsgewinne weiter größtenteils versteuern, bemängelt das Institut in seinem Oktoberbericht.

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