Monsanto : "Mächtiger als die Regierung"

Die französischen Journalistin und Monsanto-Kritikerin Marie-Monique Robin über die Geschäfte des umstrittenen amerikanischen Gentechnik-Konzerns.

Die französische Journalistin Marie-Monique Robin hat über Jahre die Aktivitäten des Konzerns Monsanto untersucht und darüber einen Film gedreht („Monsanto – mit Gift und Genen“).

Frau Robin, ist Monsanto kriminell?



Monsanto hat eine sehr aktive Rechtsabteilung, also muss ich etwas vorsichtig sein. Aber Leute, die ich interviewt habe, sagen ohne Weiteres, dass Monsanto kriminell sei, weil es nicht nur gefährliche Produkte herstellt und dabei immer wieder gegen Gesetze verstößt, sondern diese Gefahr aus wirtschaftlichen Interessen systematisch leugnet.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Monsanto ist der Hersteller von PCBs, die sich heute in jedem Organismus auf der Erde nachweisen lassen. Sie gelten als stark krebserregend und erbgutschädigend und reichern sich in der Nahrungskette an. Jede Mutter, die stillt, gibt dabei PCBs aus ihrem Fettgewebe an ihr Kind weiter. Monsanto wusste um die Gefährlichkeit der PCBs seit 1937. Deswegen wurde das Unternehmen 2002 dazu verurteilt, an die verseuchte Bevölkerung der amerikanischen Stadt Anniston Schadenersatz zu zahlen, wo Monsanto weitgehend ohne Schutzmaßnahmen PCBs produziert hat.

Warum schafft es Monsanto dennoch, seine Interessen durchzusetzen?

Die Kontakte des Unternehmens zur US-Regierung sind sehr gut. Top-Manager wechseln in Regierungsposten und in die kontrollierenden Behörden und umgekehrt. Reagan und Clinton haben Monsanto unterstützt, und auch im Team von Obama finden sich Monsanto-Leute.

Wie kommt das?

Reagan war besessen davon, zu deregulieren, also der Wirtschaft Kontrollen und Auflagen zu ersparen, wovon Monsanto sehr profitiert hat. Monsanto schafft es auch immer wieder, sich als ein Unternehmen von nationalem Interesse darzustellen. Der charismatische Monsanto- Chef Robert Shapiro hat bei den Clintons erfolgreich den Eindruck erweckt, das Unternehmen habe wirkliche Lösungen für eine nachhaltige Zukunft. Monsanto schafft es auch immer wieder, Gegner der Gentechnik als fortschrittsfeindlich erscheinen zu lassen. Das lässt sich kein Politiker gerne nachsagen.

Dient Monsanto denn tatsächlich den Interessen der USA?

Das Unternehmen richtet in den USA teilweise erheblichen Schaden an. Es gibt massenweise Gesundheitsschäden durch das Pestizid Roundup und PCBs. Amerikanischer Mais ist auf dem Weltmarkt kaum noch verkäuflich, wegen der durchgehenden Kontamination mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Bauern werden von Monsanto verklagt, die gentechnisches Saatgut weder eingesetzt noch vermehrt haben, sondern deren Felder ohne ihr Zutun kontaminiert wurden.

Dies geschieht auf Grundlage der Patente, die Monsanto auf seine Pflanzen hält. Welche Rolle spielen diese Patentrechte?

Sie sind der Kern der Firmenstrategie seit den 90er Jahren. Monsanto schleust seine patentierten Gene in die wichtigsten Nahrungspflanzen ein und erwirbt damit das Recht, Lizenzgebühren auf diese Pflanzen zu erheben. Dieses Recht klagt das Unternehmen unerbittlich ein, überall auf der Welt. Andere Anbieter von Saatgut werden aufgekauft, in vielen Fällen können dann Bauern nur noch bei Monsanto kaufen.

Wie mächtig ist Monsanto?

In Brasilien, Argentinien und Uruguay ist Monsanto innerhalb von zehn Jahren mächtiger geworden als die nationalen Regierungen. Gentechnik-Soja als Viehfutter für die USA und Europa und das damit einhergehende Pestizid Roundup haben dort den traditionellen Anbau weitgehend verdrängt und richten unermesslichen Schaden an.

Sind genmanipulierte Pflanzen auch gesundheitlich gefährlich?

Ja. Am besten belegt ist das beim transgenen Futtermais Starlink. Er war als Lebensmittel nicht zugelassen, geriet aber in kürzester Zeit in die Nahrungskette und löste Allergien aus. Einige tausend Amerikaner wurden teilweise schwer krank. Die Rückholaktion hat den Anbieter Aventis schon über eine Milliarde Dollar gekostet. Dennoch wird Starlink nach Einschätzung des Unternehmens nie wieder ganz aus der Nahrungsproduktion zu entfernen sein.

Das Gespräch führte Martin Fütterer.

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