Monte dei Paschi : Italien muss älteste Bank der Welt stützen

Die Monte dei Paschi ist das drittgrößte Bankhaus Italiens - und braucht nun Hilfe vom Staat. Viele sehen den Abstieg als Konsequenz der Profitgier und des Größenwahns.

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Die Bank Monte dei Paschi ringt mit der schwersten Krise in 540 Jahren.
Die Bank Monte dei Paschi ringt mit der schwersten Krise in 540 Jahren.Foto: dpa

Zwanzig Jahre bevor Columbus Amerika entdeckte, gründete sich die italienische Bank Monte dei Paschi in der Kleinstadt Siena in der Toskana. Damit ist Monte dei Paschi die älteste aktive Bank der Welt. 540 Jahre später befindet sich das Institut in der heftigsten Krise seiner Geschichte. Eine Krise, die schwerwiegende Konsequenzen für das italienische Banksystem haben könnte. Denn die MPS ist die drittgrößte Bank des Landes. Und wie das Land auch, muss sie zügig ihren Haushalt sanieren.

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) verlangt von dem Institut, dass es bis Ende Juni sein Grundkapital um 3,2 Milliarden Euro aufstockt. Zwei Milliarden könnte MPS durch den Verkauf von Immobilien und Beteiligungen gewinnen. Eine weitere Milliarde fehlt aber noch immer. Dafür wird die Bank zum zweiten Mal in drei Jahren Staatshilfen in Milliardenhöhe bekommen.

Die Nachricht kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt. Vor ungefähr einem Monat hat die Ratingagentur Moody’s 26 italienische Kreditinstitute herabgestuft. Die MPS, die im Jahr 2011 ein Haushaltsminus von 4,7 Milliarden Euro melden musste, steht kurz davor, die eigenen Anleihen als „junk bond“, also Schrottanleihe eingestuft zu sehen.

Nach Spanien könnte dann auch womöglich Italien von einer Bankenkrise betroffen sein. „In Italien ist aber die Lage stabiler als in Spanien“, meldete kürzlich der Italienische Bankenverband (ABI). Dass der ABI den Fall der MPS als nicht besorgniserregend sieht, verwundert allerdings nicht. An der Spitze des Verbands sitzt nämlich der Ex-Präsident der MPS, Giuseppe Mussari. Unter seiner Führung sank der Kurs der MPS-Aktien von 3,4 Euro im Jahr 2007 auf 0,18 Euro 2010.

Aber wie konnte eine kleine Leihanstalt aus einem toskanischen Dorf zum drittgrößten Institut des Landes aufsteigen und dann wieder abstürzen? Für Jahrhunderte hielt sich MPS an ein einfaches Erfolgsrezept: Das Geld, das durch die Landverpachtung gewonnen wurde, wurde in lokale Unternehmen investiert. Die Bank und die Stadt wuchsen zusammen. In der Kleinstadt Siena wird die Monte dei Paschi für ihr Engagement liebevoll „Vater Monte“ genannt. 1999 ging dann MPS an die Börse. Hauptaktionär wurde die Stiftung Monte dei Paschi, die umgehend eine starke landesweite Expansion begann. 2007 wagte dann die Bank einen großen Coup. Die Regierung in Rom wünschte sich, dass die italienische Bank Antonveneta, die zwei Monate zuvor von der spanischen Banco Santander aufgekauft wurde, wieder in italienische Hände gelangte.

Die MPS kaufte sie für 9,3 Milliarden Euro, das waren drei Milliarden mehr als der von Santander gezahlte Preis. Irgendjemand, so vermutet die Staatsanwaltschaft in Siena, soll bei der zweiten Transaktion 1,5 Milliarden Euro für sich abgezweigt haben. Der Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 zog Antonveneta in den Abgrund. Als Folge musste MPS 2009 Staatshilfen im Wert von 1,9 Milliarden Euro beantragen. Der Fall Antonveneta ist aber nicht das einzige Problem. Das Institut sitzt nämlich auf 26 Milliarden Euro italienischen Staatsanleihen. Außerdem ist in den letzten Monaten ihre Verschuldung gegenüber der EZB auf 28,5 Milliarden Euro gestiegen.

Viele in Siena sehen den Abstieg als Konsequenz der Profitgier und des Größenwahns der Geschäftführung. Sie hat nämlich die Beziehungen zwischen Bank und Stadt schwer geschädigt. Der Geschäftsführer Fabrizio Viola will nun das Institut durch strenge Sparmaßnahmen auf Kurs bringen. Doch die Angestellten haben schon angekündigt, die geplante Kürzung von 1 500 Arbeitsplätzen nicht hinnehmen zu wollen. Zum ersten Mal in 540 Jahren wehren sich nun die Bürger von Siena gegen „Vater Monte“.

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