Wirtschaft : Montedison: Konzern vor feindlicher Übernahme

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Der monatelange Übernahmekampf um den italienischen Mischkonzern Montedison SpA hat eine überraschende Wendung genommen. Der Turiner Fiat-Konzern und der staatliche französische Versorger Electricité de France (EdF) haben unter der Führung Fiats das Gemeinschaftsunternehmen Italenergia zur feindlichen Übernahme von Montedison gegründet. Am Montag unterbreitete Italenergia an der Mailänder Börse zwei Übernahmeangebote: eines für Montedison und eines für dessen Energietochter Edison SpA, an der vor allem EdF interessiert ist.

Unterstützung soll das Bündnis durch eine Reihe von Großbanken, darunter die Deutsche Bank, erhalten. Damit dürfte die Verteidigungsstrategie der Mailänder Investmentbank Mediobanca gescheitert sein. Dank des Bündnisses mit den Banken verfügen Fiat und EdF schon vor dem Kaufangebot an der Börse über mehr als 48 Prozent des Montedison-Kapitals. Da nur noch etwa vier Prozent an Montedison bei freien Aktionären sind, muss das Angebot von 2,82 Euro je Stammaktie der Montedison vor allem Fonds und größere Paketeigner aus der Reserve locken. Für die Edison-Aktie werden 11,60 Euro geboten. Die Börsenaufsicht strich daraufhin den Handel beider Wertpapiere. Erforderlich für die Übernahmen sind zwischen fünf und sechs Milliarden Euro. Damit handelt es sich um die bisher viertgrößte Finanztransaktion Italiens.

Noch am Sonntag hatte Mediobanca Widerstand geleistet. So verkaufte Montedison für eine Milliarde Euro 29 Prozent von ihrem Besitz an dem Versicherungskonzern La Fondiaria an die Konkurrenz von SAI SpA. Mit dieser "Giftpille" machte Mediobanca Montedison magerer und sorgte gleichzeitig dafür, dass die zwei Prozent, die Fondiaria an Mediobanca hält, nicht in die Hände des Gegners fallen. Das gleiche Ziel stand auch hinter dem von Mediobanca arrangierten Verkauf einer Beteiligung am Papierkonzern Burgo an die befreundete französische Gruppe Vincent Bolloré.

Mit dem Übernahmeangebot können Fiat und EdF ihre Interessen bündeln. Während der Fiat-Konzern die Basis für den geplanten Einstieg ins Energiegeschäft legen will, kann die EdF ihre Stellung in Italien ausbauen. Durch einen Beteiligungstausch mit den Franzosen im Rahmen der Italenergia riskiert Fiat zudem kein eigenes direktes Kapital und kann den Schuldenabbau wie geplant weiterführen. Fiat hält 40 Prozent an Italenergia, EdF ist mit 18 Prozent beteiligt. Als Finanzpartner treten drei italienische Großbanken mit zusammen über 20 Prozent ein. Dazu kommt mit ebenfalls 20 Prozent der Investor Romain Zaleski.

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