Wirtschaft : Morgan Stanley steigt bei Tui wieder aus

Analysten: Reisekonzern hat neuen Großaktionär

Henrik Mortsiefer

Berlin - Tui bekommt nach Einschätzung von Analysten in Kürze einen neuen Großaktionär. Entsprechend wurde am Freitag die Mitteilung der US-Investmentbank Morgan Stanley interpretiert, wonach sie ihren Anteil am Touristikkonzern von bislang knapp über zehn Prozent fast vollständig abgestoßen habe. „Bis spätestens Ende des Monats dürfte Tui bekannt geben, dass es einen neuen Großinvestor gibt“, sagte Per-Ola Helgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) dem Tagesspiegel. Wahrscheinlichster Kandidat: die spanische Hotelkette Riu, an der Tui zur Hälfte beteiligt ist.

Morgan Stanley hatte im Juli erklärt, sie habe ihren Bestand an Tui-Aktien auf mehr als zehn Prozent aufgestockt, und damit Tui in Turbulenzen gebracht. In Finanzkreisen hatte es daraufhin geheißen, die US-Bank habe den Großteil der Aktien möglicherweise nicht als Beteiligung gekauft, sondern die Papiere lediglich erworben, um sie an Hedgefonds für Spekulationsgeschäfte zu verleihen. Morgan Stanley gilt als eine der weltweit führenden Banken im Geschäft mit Leihaktien. „Die Mitteilung vom Freitag stützt die Vermutung, dass Hedgefonds im Geschäft waren – und dass sie sich verspekuliert haben“, sagte LRP-Analyst Helgren.

Hedgefonds hatten sich dem Vernehmen nach rund 40 Millionen Tui-Aktien geliehen (etwa 20 Prozent aller Tui-Aktien) und anschließend verkauft – in der Annahme, dass die Aktie aus dem Dax fällt und massiv an Wert verliert. Dies hätte es den Fonds erlaubt, die Aktie später zu deutlich niedrigeren Kursen zurückzukaufen. Doch das Kalkül ging nicht auf. Die Aktie blieb im Dax und der Kurs stieg seit Juli um rund 15 Prozent.

Außerdem verhandelt die WestLB, die 30 Prozent an Tui hält und dieses Paket verkaufen will, mit einem strategischen Investor. Ein breit gestreuter Verkauf über die Börse, der den Kurs unter Druck gesetzt hätte, findet also nicht statt.

Nun dürften die Hedgefonds Probleme haben, Tui-Aktien in großem Stil zurückzukaufen, weil dies den Kurs noch weiter nach oben treibt. Morgan Stanley hingegen dürfte nach Meinung von Per-Olaf Helgren von der LRP als Gewinner aus dem Geschäft hervorgehen, weil die Bank unabhängig von der Kursentwicklung der Aktie eine Leihprämie von den Hedgefonds kassiert hat.

Die Tatsache, dass sich die Aktie am Freitag kaum veränderte – gegen Abend lag sie mit einem leichten Plus von 0,34 Prozent bei 14,80 Euro – spricht Analysten zufolge dafür, dass der Morgan-Stanley-Anteil nicht über die Börse verkauft wurde. „Dahinter steckt ein großer Investor“, sagte Helgren. Nach einem Bericht der spanischen Zeitung „ABC“ steht die Hotelkette Riu kurz davor, 20 Prozent an Tui von der WestLB zu übernehmen. Helgren schätzt, dass das Morgan-Stanley-Paket in enger Absprache mit Riu an einen weiteren Partner verkauft wurde.

Tui-Chef Michael Frenzel hatte stets erklärt, er wisse nicht, was hinter den Kulissen des Finanzmarktes passiere. Von der WestLB fühle man sich aber „fair“ behandelt. Da der Aktienkurs wieder kräftig gestiegen ist, sieht Frenzel auch die Übernahmegefahr inzwischen als geringer an als noch vor sechs Wochen. Den Börsengang der Schifffahrtstochter Hapag Lloyd blies Frenzel Anfang der Woche nach Analystenmeinung aus diesem Grund ab.

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