Wirtschaft : Moskauer Unternehmer kaufen britische Traditionsfirma

mbr

Die russische Firma Scholkowskij Fetr hat einen der traditionsreichsten britischen Huthersteller, Wilson & Stafford Ltd., Birmingham, übernommen. Die letzte Midlander Hutfabrik, gegründet 1871, war im März diesen Jahres mit mehr als 500 000 Pfund Schulden zusammengebrochen. Jetzt hat die Filzfirma aus Scholkowo bei Moskau dem zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Maschinenpark neues Leben eingehaucht.

Die vor 128 Jahren gegründete Hutmacherei Wilson & Stafford war zu einem führenden Unternehmen in England gewachsen. 3000 Arbeiter stellten zu Hochzeiten mehr als 1000 Hüte pro Tag in einem Dutzend Fabriken rund um Atherstone her; 200 von ihnen fertigten Wilson & Stafford, so die berühmten Bowlers, Trilbys und Homburgs.

Das Traditionsunternehmen belieferte die Royal Navy und die britische Armee, rund 30 Prozent der Produktion gingen in den Export. Bei der Liquidation wurden alle 58 zuletzt noch gebliebenen Arbeitsplätze gestrichen. So starb der Hutstandort Atherstone, der seit der Tudor-Zeit existiert hatte. aus.

Auch das Scholkowskij Filz-Unternehmen ist ein Traditionsbetrieb: Es erstellte spezielle Hutmodelle für das Politbüro der KPdSU, stellt heute ebenso Kappen für die Omon-Sonderpolizei-Einheiten her wie Auftragsarbeiten für den Moskauer Modeschöpfer Slawa Saizew (Marken: Slava Zaitsevü und Parfum Marussjaü). In der Scholkower Fabrik sind jetzt die ersten auf den englischen Maschinen produzierten Modelle fertiggestellt worden.

Die Russen wollten eigentlich nur ein paar zeitgemäße Filzpressformen, die Engländer boten aber relativ billig den ganzen Maschinenpark an. Der Kaufpreis soll bei 250 000 Pfund gelegen haben, was aber niemand der Beteiligten bestätigte.

Auch Konkurrenz-Hutfirmen aus Luton und Stockport hatten sich die Maschinen angeschaut aber dann doch keine gekauft. Die Zukunftsaussichten der britischen Hutindustrie sind schlecht, da kaum noch jemand Hüte trägt, sagte Abwickler Myles Halley von KPMG in Birmingham. Billige chinesische Konkurrenz mache zudem Druck auf die Margen der verbliebenen britischen Huthersteller. Die Russen haben alles aus den Fabrikhallen genommen und nach Russland verschifft. Sie wollen jetzt englische Qualität zu russischen Preisen bieten.

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