Wirtschaft : Motor des Mittelstands

Wie Familienunternehmer-Präsident Lutz Goebel sein Unternehmen führt.

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Wenig Biss
Wenig Biss

Berlin - 21. Jahrhundert? Mitbestimmung, Beteiligung, Transparenz? Nun ja. Ein echter Familienunternehmer ist auch heute noch Herr im Haus, ein Betriebsrat wird nicht gebraucht, das macht der Chef selbst. „Meine Tür steht immer offen“, sagt Lutz Goebel, Chef und Mehrheitseigentümer von Henkelhausen.

Goebel ist nicht irgendein skurriler Mittelständler vom Niederrhein, sondern Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer – ASU“. Eine Organisation, die für 180 000 Familienunternehmen mit acht Millionen Arbeitnehmern hierzulande sprechen will. Sozusagen der Mittelpunkt der Wirtschaft. Und dem geht es richtig gut im Moment, wie Goebel sagt. Auch seinem eigenen Unternehmen, das 2011 noch bessere Geschäfte machte als im Boomjahr 2007.

Henkelhausen produziert und wartet Diesel- und Gasmotoren für die Industrie, dazu kommen Notstromanlagen, Marinemotoren, Landtechnik und Blockheizkraftwerke. Vor allem im letzten Bereich steckt wegen der Energiewende viel Musik. „Viele Unternehmen mit Wärmenutzung schaffen sich ein Blockheizkraftwerk an“, sagte Goebel dem Tagesspiegel. Henkelhausen kommt derzeit auf knapp 70 Millionen Euro Umsatz, vor allem durch Akquisitionen will Goebel in ein paar Jahren 100 Millionen schaffen.

Seine Firma gehört keinem Tarifverband an, orientiert sich aber am Tarif des Kfz-Handwerks, den die IG Metall verhandelt. Deren Tarifforderung nach 6,5 Prozent mehr Geld versteht der Unternehmer noch so gerade. Für die von der Gewerkschaft geforderte Übernahmepflicht bei Azubis und die stärkere Regulierung der Leiharbeit hat er indes kein Verständnis. „Ich bin für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, wenn die Qualifikation auch identisch ist. Das ist bei Zeitarbeitern oft nicht der Fall“, sagte Goebel und warnte davor, die Zeitarbeit „kaputtzumachen“.

Unter den 235 Henkelhausen-Beschäftigten gibt es nur punktuell Leiharbeiter. Für Goebel ist „die faire Behandlung der Mitarbeiter das Wichtigste“. Dazu gehört auch die persönliche Gratulation zum Geburtstag. 235 Mal im Jahr. Und wenn die Leistung stimmt, dann zahlt Goebel gerne mehr als Tarif. Bei der Arbeitszeit hat er sich aber schon vor Jahren von der tariflichen Vorgabe entfernt: In seiner Firma werden 39 Stunden gearbeitet, im Tarif stehen 36,5 Stunden. Aber die Gewerkschaft spielt bei Henkelhausen eben keine Rolle.

Wenn die IG Metall die Übernahme aller Ausgebildeten durchsetzt, „muss ich die Ausbildung halbieren, denn ich kann beim besten Willen nicht alle übernehmen“. 34 Azubis gibt es derzeit bei Henkelhausen, und die sind mal so, mal so. „Söhne von Landwirten sind perfekt, die haben mit sechs Jahren schon mit anpacken müssen.“ Und doch haben nach Goebels Erfahrung „ein Drittel der Jungs oft nicht die richtige Einstellung, die wollen nicht so wie die Mädchen“. Gut zu sprechen ist der Chef auf junge Leute mit ausländischen Wurzeln, wie kürzlich ein Mädchen aus Asien, das einen Tag Goebel im Betrieb begleitete: „Deutsche haben oft nicht so einen Biss.“ Alfons Frese

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