Wirtschaft : Motor für Deutschland

Der Berliner Steuerungskreis Industriepolitik will die Stärke des Energiesektors besser vermarkten.

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Besuch in Siemensstadt. Der Regierende Bürgermeister und die Senatorinnen Cornelia Yzer (links, Wirtschaftsressort) und Dilek Kolat (Arbeit und Integration) wurden im Schaltwerk von Burkhard Ischler begrüßt, dem Leiter des Berliner Büros der Siemens AG. Foto: Siemens
Besuch in Siemensstadt. Der Regierende Bürgermeister und die Senatorinnen Cornelia Yzer (links, Wirtschaftsressort) und Dilek...Foto: SIEMENS, Dietmar Gust

Berlin - „Schön, dass du dich mal bei uns blicken lässt“, sagt der Siemens-Arbeiter im Blaumann, streift die Handschuhe ab und schüttelt Klaus Wowereit die Hand. Sie wechseln ein paar Worte, dann setzt der Regierende Bürgermeister seinen Rundgang durch die Produktionshalle fort. Es ist sein erster Besuch im fast 100-jährigen Schaltwerk von Siemens in Spandau. Hier hat sich am Freitag der Steuerungskreis Industriepolitik getroffen, um über die Potenziale und Chancen der Energiewende für die Stadt zu beraten. „Erfreulicherweise hat sich die negative Situation der Berliner Industrie total verändert“, sagte Wowereit. „Heute sind wir mit Bayern und Baden-Württemberg Motoren für Wachstum in ganz Deutschland.“ Wobei Energie- und Elektrotechnik die beiden größten und erfolgreichsten Bereiche der Berliner Industrie sind, wie Christian Hoßbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund ergänzte. „Aus diesem Bereich kommen die meisten Exporte, und hier ist auch die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich gestiegen.“

Den im Steuerungskreis vertretenen Unternehmensverbänden, Kammern, Gewerkschaften und Senatsverwaltungen sei natürlich daran gelegen, dass Berlin weiter überproportional wachse, sagte Wowereit. Ziel soll es sein, die Chancen zu heben, die die Energiewende für Unternehmen berge. „Neue Produkte in diesen Feldern können den Export der Berliner Industriebetriebe weiter stärken“, sagte Wowereit. Berlin habe alle Chancen, sich als Modell- und Referenzstadt einen Namen zu machen. „Energiewende made in Berlin, diese Idee kann zu einer internationalen Marke werden“, sagte Hoßbach. Aber man müsse auch was zeigen, fügte er hinzu. Positive Beispiele seien etwa das bereits bestehende Schaufenster Elektromobilität und der geplante Park für Urban Technologies (die moderne Stadt) auf dem Gelände des Flughafens in Tegel, sobald der Hauptstadtflughafen fertig ist.

Heute gibt es in der Hauptstadtregion bereits mehr als 56 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bereich Energietechnik. „Wir wollen das weiter ausbauen und sehen noch große Chancen“, sagte Wowereit. Allerdings sehen der Regierende und die Mitglieder des Steuerungskreises noch weiteren Handlungsbedarf. So müsse etwa die Zusammenarbeit der Unternehmen mit den Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen besser werden, sagte Wowereit. Auch gelte es, die weiterhin zu hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. „Ich appelliere an die Unternehmen, junge Menschen auszubilden.“

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, sieht in der dualen Berufsausbildung ein wichtiges Instrument gegen den Fachkräftemangel. Obwohl die Zahl der Schulabgänger in Berlin seit 2007 um 20 Prozent gesunken sei, sei die Zahl der gewerblichen Ausbildungsplätze um 2,4 Prozent gestiegen. Der nicht gedeckte Bedarf an Fachkräften könne sich in Zukunft zum Wachstumshemmnis entwickeln. Derzeit gingen die Berliner Kammern noch von einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent im laufenden Jahr aus – gegenüber 0,3 Prozent im Bundesdurchschnitt. „Berlin bewegt sich auf hohem Niveau“, sagte der Handwerkspräsident.

Der größte industrielle Arbeitgeber Berlins ist Siemens mit rund 13 500 Mitarbeitern. In das Schaltwerk für Hoch- und Mittelspannung, das der Steuerungskreis am Freitag besuchte, investiert Siemens bis zum Jahr 2015 rund 70 Millionen Euro in den Bau zweier neuer Produktionshallen. „Hier werden die Schaltanlagen für die Stromnetze der Zukunft gebaut, sagte Burkhard Ischler, Leiter des Berliner Büros der Siemens AG. Ein paar Kilometer weiter in Moabit baut Siemens Gasturbinen. „Wir exportieren die Gasturbinen in aller Herren Länder“, sagte Ischler. Aus Deutschland gebe es dagegen bisher noch keinen Auftrag, weil sich der Betrieb von Gaskraftwerken hier wegen der Energiewende nicht rechne. Es sei Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen entsprechend zu verändern. Ischler forderte Wowereit auf, in der Bundespolitik sein Gewicht einzubringen, „um dies in unserem Sinne zu verändern“.

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