Wirtschaft : Motorenbauer: Schwere Zeiten

Tobias Symanski

Viele unabhängige Motorenhersteller gibt es nicht mehr auf der Welt. Da die großen Automobilkonzerne ihre Antriebsaggregate meist selbst fertigen, spezialisieren sich die reinen Motorenbauer auf Dieselantriebe für Transport- und Arbeitsfahrzeuge oder Schiffe. Neue Absatzmöglichkeiten erschließen sich jedoch im Bereich umweltfreundlicher Energiegewinnung. Der Abschluss des Kyoto-Vertrages zum Schutz des Weltklimas oder die Energiekrise in Übersee werden den Trend beschleunigen.

Besonders die auf umweltfreundliche Gasmotoren spezialisierte Jenbacher AG profitiert von der US-Energiekrise. Zwar sank der Umsatz im ersten Quartal um rund drei Millionen auf 33,8 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum, dafür sorgte aber die Verdoppelung des Auftragsvolumens auf über 88 Millionen Euro für gute Stimmung: Das an der Wiener Börse notierte Unternehmen konnte in kurzer Zeit um über 30 Prozent auf 14,50 Euro zulegen. Seitdem ist die auch von der österreichischen Anlegerwelt eher stiefmütterlich behandelte Aktie stärker in den Blickpunkt des Interesses geraten: Die Handelsumsätze stiegen, bis heute wurde der Widerstand bei 14,50 Euro mehrmals getestet.

Traditionskonzern in Nöten

"Es gibt ein paar Dinge, die die Entwicklung der Aktie hemmen", gibt Reinhard Ebenauer, Analyst bei der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB), zu bedenken. Der Anlagestratege ist gerade dabei, Jenbacher genauer unter die Lupe zu nehmen. So lag die Eigenkapitalquote Ende 2000 bei 16,9 Prozent, die Bankverbindlichkeiten seien drei mal so hoch wie das Eigenkapital. "Das sind nicht sehr günstige Relationen", findet Ebenauer. Daher sei es wichtig, die zukünftige Ertragslage des Unternehmens im Auge zu behalten.

Das gilt auch für den traditionsreichen Motorenbauer Deutz. Das Kölner Unternehmen hat sich vor allem auf die Produktion von Dieselmotoren für Großfahrzeuge, Maschinen und Schiffe spezialisiert. Nach einer jahrelangen Sanierung war Deutz zunächst auf gutem Wege. Im letzten Jahr jedoch rutschten die Kölner wieder in die roten Zahlen. Dass in diesem Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone gelingt, ist zweifelhaft. "Wir sind dem Vertrauen der Aktionäre in Deutz nicht gerecht geworden", gibt Vorstandschef Gordon Riske zu. Die Anteilseigner können wahrlich nicht zufrieden mit der der Kursentwcklung der Aktie sein. Antriebslos ging es seit langer Zeit bergab. Vor drei Jahren noch rund 14 Euro wert, gehört das Papier mit heute 2,50 Euro vom Betrag her zu den günstigsten Aktien im M-Dax. Der Verbleib im Index der mittelgroßen Unternehmen ist keineswegs gesichert, lediglich der hohe Streubesitz von 64 Prozent spricht dafür. Mangels klarer Zeichen wissen auch die Anlagestrategen nicht, wie sie den Motorenhersteller derzeit einordnen sollen. "Deutz ist an einem wichtigen Punkt angelangt", meint Erhard Schmitt, Analyst bei der Helaba Trust. Zu weit will sich der Anlagestratege jedoch nicht aus dem Fenster lehnen - seine Bewertung lautet "Neutral". Für 2001 rechnet Schmitt noch mit einem Verlust von rund vier Millionen Euro, 2002 aber bereits mit einem Gewinn von 6,5 Millionen Euro. Ob Deutz wirklich wieder vorankommt, kann der Anleger bis 2003 zumindest an dem von Gordon Riske aufgestellten Fünf-Punkte-Sanierungsplan überprüfen.

Flaute auf dem US-Markt

Direkter Deutz-Konkurrent im Dieselmotorenbau und ein Schwergewicht im amerikanischen Markt ist Cummins. Vor allem der starke Einbruch in der Lkw-Industrie, einem Hauptmarkt von Cummins, macht dem Unternehmen zu schaffen. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres brach das Ergebnis je Aktie auf minus 68 Cents (bei 28 Millionen Dollar Nachsteuerverlust) gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Durch ein straffes Kostenmanagement in den folgenden drei Monaten konnte der Gewinn jedoch wieder leicht ins Plus gedreht werden; für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit einem positiven operativen Ergebnis zwischen 20 und 35 Cents je Aktie.

Die Anleger haben die Bemühungen des Motorenbauers mit Kursgewinnen belohnt. Im Oktober vergangenen Jahres notierte Cummins unter 30 Dollar, kletterte in der Folgezeit aber wieder auf über 40 Dollar. Mit einer generellen Erholung auf den Absatzmärkten rechnet der Vorstand von Cummins jedoch erst wieder zum Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres. Deswegen sind auch die Analysten noch recht zurückhaltend. Zahlreiche US-Investmentbanken stufen Cummins mit "Halten" ein, allein J.P. Morgan hält die Aktie für attraktiv und hat sie auf "Kaufen" hochgestuft.

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