Wirtschaft : Motorradschmiede MuZ startet mit neuem Motor durch

MARTIN-W.BUCHENAU (HB)

Zschopauer Traditionswerk will wieder Komplettanbieter werden / Grundkapital erhöht / Im Jahr 2000 in der Gewinnzone?VON MARTIN-W.BUCHENAU (HB) ZSCHOPAU/HOHNDORF."Wir wollen eine Marke mit unverwechselbarem Gesicht", sagt Petr-Karel Korous, Geschäftsführer der Motorrad- und Zweiradwerk GmbH, Zschopau-Hohndorf, und öffnet stolz die Türen zu seinen Entwicklungslabors.Mit speziellem Ton wird hier das Design der neuen Verkleidung auf das Fahrgestell eines Prototypen modelliert.Bis zum Ende dieses Jahres will die traditionsreiche Motorradschmiede ein neues Viertakt-Modell mit einem selbstentwickelten 125ccm-Motor auf den Markt bringen, das endlich die veralteten Zweitakter ablösen soll.Darüber hinaus tüftelt MuZ an einem eigenen 2-Zylinder-Motor mit 750ccm für Maschinen, die im Jahr 2000 auf den Markt kommen sollen. Mehr Details will Korous nicht verraten.Rund 30 Mill.DM plant die malaysische Gruppe Hong Leong Industries Berhad, Kuala Lumpur, im Erzgebirge zu investieren, um das krisengeschüttelte Motorradwerk wieder im Markt zu plazieren.Hong Leong hat jetzt das Grundkapital der MuZ von sechs auf neun Mill.DM erhöht, wie Korous gegenüber dem Handelsblatt bestätigte. Mit dem Portemonnaie der malaysischen Mutter wird im Erzgebirge kräftig am Comeback von MuZ gefeilt.MuZ ist sogar wieder mit einem eigenen Rennstall in die 500ccm-Königsklasse des Grand-Prix-Zirkus zurückgekehrt.Nur so lasse sich für fünf bis acht Mill.DM die Bekanntheit steigern, sagt Firmenchef Korous.Weltweite Werbekampagnen würden das Zehnfache kosten. Rennsportengagement, Investitionen und Kapitalerhöhung sind für Korous Belege dafür, daß Hong Leong seine Ankündigung, MuZ in zehn Jahren wieder zu einem der führenden Hersteller zu machen, ernst meint.Der malaysische Mischkonzern hatte MuZ Ende 1996 nach der Gesamtvollstreckung übernommen.Damals war der Traditionsstandort im Erzgebirge, wo DKW 1922 das erste Zweitakt-Motorrad der Welt entwickelt hatte, am Tiefpunkt einer langen Leidensgeschichte nach dem Fall der Mauer angelangt. 1990 liefen noch über 60 000 Motorräder unter dem damaligen Namen MZ vom Band der ältesten Motorradfabrik der Welt.Bis 1992 sackte die Produktion auf unter 2000 Maschinen.Die hoffnungslos veralteten DDR-Zweitakter aus Zschopau hatten keine Chance mehr gegen die japanischen Marktführer.Die Treuhand fand zudem keinen potenten Käufer aus der Branche.Bis der ehemalige SNI-Manager Petr-Karel Korous 1992 die Geschäftsführung übernahm und aus seinem Hobby einen Beruf machte.Von 3200 Arbeitsplätzen blieben 170 übrig. Trotz öffentlicher Hilfen und Bürgschaften von 50 Mill.DM sowie dem Neubau des Werkes in Hohndorf blieb der Markterfolg aus.Grund dafür war aus Sicht von Korous, daß MuZ das Negativ-Image "stinkender DDR-Zweitakter" nicht los wurde.Daran konnten auch das vielgelobte Einzylindermodell Skorpion mit Yamaha-Motor und der zusammenklappbare Elektroroller "Charly" nichts ändern.Die dünne Finanzdecke erwies sich bei hohen Entwicklungs- und Markteinführungskosten bald als zu kurz.Im Geschäftsjahr 1995 standen 20 Mill.DM Umsatz 15 Mill.DM Verlust gegenüber.MuZ mußte 1996 Gesamtvollstreckung anmelden. Hong Leong stieg ein, Korous mußte seine Geschäftsanteile abtreten, behielt aber seinen Posten und bekam den Malayen Ron Lim in der Produktions- und Vertriebsgesellschaft Motorrad- und Zweiradwerk GmbH als Geschäftsführer zur Seite gestellt.Ausgegliedert wurde der Entwicklungsbereich in die MuZ Engineering GmbH.Hier ist Korous alleiniger Geschäftsführer sowie Gesellschafter und entwickelt in Hohndorf mit 50 Beschäftigten neue Modelle, auch für fremde Auftraggeber.In der Fertigung arbeiten 90 Beschäftigte.Umsatzzahlen verrät Korous nicht.1997 habe MuZ rund 5000 Maschinen gefertigt.20 Prozent davon entfielen laut Korous auf die alten 125er-Modelle, die jetzt auslaufen.Da das neue Modell erst Ende 1998 auf den Markt kommt, rechnet er in diesem Jahr mit einer geringeren Produktion.Das neue Modell muß 1999 allerdings einschlagen, denn erst ab einer Jahresproduktion von 7500 Stück fahren die sächsischen Motorradbauer in die Gewinnzone.Spätestens im Jahr 2000 soll dieses Ziel erreicht werden.Für einen weiteren Schub soll dann das bis dahin neu entwickelte 750ccm-Modell sorgen.MuZ will aus der zu kleinen Nische der Einzylinder-Motorräder heraus.In Deutschland werden im Jahr rund 12 000 "Eintopfer" verkauft.MuZ ist mit den Modellen Scorpion (Straße), Baghira (Gelände) und dem Fun-Bike Mastiff bewußt in eine Nische gegangen, die die großen Hersteller gelassen haben.

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