Wirtschaft : Motorräder sind die Pioniere der globalen BMW-Strategie

MÜNCHEN (tmh).Eigentlich führt der eher Gebrechlichkeit signalisierende Begriff "Jubilar" in die Irre, sinniert Michael Ganal."Denn bei uns geht es nachhaltig aufwärts," freute sich der Motorradchef der Bayerische Motoren Werke (BMW) AG am Rande der weltgrößten Motorradmesse Intermot in München.1923 drehte mit der R32 das erste BMW-Motorrad seine Runden, und genau 75 Jahre später sind die weißblauen Zweiräder dabei, das sechste Rekordjahr in Folge zu erfahren.Dabei stand vor zehn Jahren die Zukunft der gesamten Sparte ernsthaft auf der Kippe.Mit 24 000 verkauften Maschinen war 1988 ein Tiefpunkt erreicht.Im damaligen Vorstand um den heutigen Aufsichtsratschef Eberhard von Kuenheim wurden die Überlebenschancen des Motorradgeschäfts diskutiert."BMW gibt nicht auf," soll der Manager damals bestimmt und neue Investitionen für die prestigeträchtigen Zweiräder freigegeben haben.Das Risiko hat sich ausgezahlt, resümiert zehn Jahre später BMW-Motorradsprecher Hans Sautter.1998 sei ein neuer Produktionsrekord von 60 000 (Vorjahr 54 000) Maschinen in Sichtweite.Profitabel arbeite die Sparte schon seit einigen Jahren, wenn die zuletzt 20 Mill.DM Vorsteuergewinn und 1,1 Mrd.DM Umsatz im Gesamtkonzern auch keine große Rolle spielen.Immerhin stehe die Sparte auf solidem Fundament.Da Verkehrsplaner der gesamten Branche für 15 Jahre Wachstum vorausgesagen, haben die Zweiradexperten von BMW auf Sicht keine Zukunftsängste.

Die guten Geschäftsaussichten auf zwei Rädern führt BMW aber nicht nur auf den anhaltenden Branchenboom zurück.Zum einen habe das Bekenntnis zum Motorrad und die Investitionsentscheidung vor zehn Jahren das Ruder herumgerissen.Zum anderen bringe vor allem 1993 der Einstieg in das Segment unter 750 Kubikzentimeter Hubraum mit dem Modell F 650 eine Vielzahl neuer Kunden.Fast 20 Prozent der Verkäufe stellt heute dieses Einsteigermodell.Mit zwei neuen Motorradmodellen pro Jahr will BMW das Wachstumstempo der letzten Jahre möglichst fortschreiben.

BMW fühlt sich global als Nummer sechs des Markts.Dominiert wird das Geschäft weltweit von den vier japanischen Herstellern Honda, Suzuki, Yamaha und Kawasaki.Dazu kommt Harley- Davidson in den USA.Im hinter den USA global zweitgrößten Motorradmarkt Deutschland reklamieren die Münchner mit gut 20 Prozent Marktanteil in der Hauptklasse über 750 Kubikzentimetern neben Honda, Suzuki und Yamaha die Führungsrolle.Knapp 50 Prozent aller Motorräder fahren in diesem Segment.Weltweit die Nummer eins ist BMW nach eigenen Angaben im sogenannten Behördengeschäft, das bis zu 15 Prozent aller Motorradumsätze bringt.Darunter versteht man den Verkauf von Motorrädern an die Polizei.Vor allem diesem Segment schreiben die Bayern eine wichtige "Botschafterfunktion" zu.Denn als Eskortenmotorräder stehen die Maschinen etwa bei Staatsbesuchen besonders im Rampenlicht.So ist BMW auch stolz darauf, in Kalifornien den Lokalmatador Harley-Davidson bei der Highway-Polizei verdrängt zu haben.Auch in China sollen BMW-Motorräder über das Behördengeschäft den Markteintritt schaffen.

Motorräder seien die "Pioniere bei der Globalisierung des Unternehmens", verdeutlicht BMW-Chef Bernd Pischetsrieder deren Bedeutung, die über reine Umsätze hinausgeht.Sie schaffen Bekanntheit und pflastern in neuen Märkten den Weg für das Hauptgeschäft mit Automobilen.Bikes seien ein fundamentaler Teil der BMW-Geschichte und des Markenbilds, bekräftigt Sautter.Neben den Japanern Honda und Suzuki sei BMW der einzige Automobilbauer, der das damit verbundene Image ausspielen könne.

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