Move Your Money : US-Bürger sollen Konten auflösen

Arianna Huffington plant einen Denkzettel für Großbanken. Zusammen mit drei Gleichgesinnten startete sie die Kampagne „Move your money“.US-Bürger sollen ihr Geld bei kleineren Kommunal- und Genossenschaftsbanken anlegen.

Rita NeubauerD
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Arianna Huffington wollte 2003 Gouverneurin in Kalifornien werden. Foto: p-a/Photoshotpicture alliance / Photoshot

San Francisco - Arianna Huffington ist eine furchtlose Frau. Wenn sie in ihrem Internetblog „Huffington Post“ nicht gerade gegen Amerikas Politiker wettert oder Bücher mit provokanten Titeln wie „Wie man die Regierung stürzt“ schreibt, dann stößt die ehemalige Kandidatin für den kalifornischen Gouverneursposten als Bloggerin gern Ideen an. Ihr jüngster Einfall: ein Denkzettel für Großbanken. Zusammen mit drei Gleichgesinnten startete sie die Kampagne „Move your money“. Möglichst viele US-Bürger sollen ihr Geld von den großen, mit Staatsgeldern geretteten Investmentbanken abziehen und es bei kleineren Kommunal- und Genossenschaftsbanken anlegen.

Das Argument: Nicht nur haben die sechs größten US-Banken – Citigroup, Bank of America, Wells Fargo, Wachovia, Washington Mutual und JP Morgan Chase – jahrelang die Kunden abgezockt und schließlich deren Geld verspekuliert. Nachdem sie 2008 mit staatlicher Hilfe, sprich Steuergeldern in Höhe von 700 Milliarden Dollar, vor dem Kollaps gerettet wurden, gebären sie sich erneut arrogant und selbstherrlich. Sie erhöhen Sollzinsen und Kontogebühren und gewähren ihren Top-Managern kräftige Boni.

Die Citigroup allein soll 2009 knapp 25 Milliarden Dollar für Gehälter und Boni ausgegeben haben, obwohl sie einen Jahresverlust von 1,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete. Zugleich zeigen sich derzeit alle Großbanken extrem knausrig bei neuen Krediten. Für viel Ärger sorgte auch Wachovia. Das viertgrößte Geldinstitut verlangte von seinen Kunden, die für die Erdbebenopfer in Haiti spendeten, eine dreiprozentige „internationale Bearbeitungsgebühr“.

„Viele Milliarden Dollar unserer Steuergelder haben diese Häuser überhaupt erst gerettet, und jetzt gebären sie sich wieder wie eh und je“, schimpft Huffington. Es sei ein Schlag ins Gesicht der Steuerzahler, dass die Großbanken seit April ihre Kreditvergabe zur Ankurbelung der Wirtschaft um rund 100 Milliarden Dollar gekürzt haben.

Die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe bekam auch Michael Parisi, Grafiker im kalifornischen Santa Cruz, zu spüren. Er wollte sein Haus refinanzieren und eine neue Hypothek aufnehmen. Nachdem er von seiner Bank allzu lange hingehalten wurde, ging er zu einer Genossenschaftsbank. „In drei Wochen hatte ich mein Geld.“ Bei der Großbank löste er sein Konto auf.

Wie viele Bürger die Kampagne unterstützen, ist schwer messbar. Eine eigens eingerichtete Internetsuchmaschine, mittels der Kunden Kommunalbanken in ihrer Nähe ausfindig machen können, wurde in den ersten Tagen von rund 340 000 Bürgern genutzt. 80 000 Suchvorgänge sollen es nun pro Tag sein.

Auch auf Youtube ist der Bürgerprotest ein Hit. Filmemacher Eugene Jarecki, ein Mitstreiter von Huffington, schnitt den Schwarz-Weiß-Klassiker „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart in der Hauptrolle um und wirbt damit für die „Move your money“-Kampagne. Das Video wurde bislang von mehr als 440 000 Nutzern angeklickt. Wie viele Klicks jedoch zu einem Kontowechsel führten, ist unbekannt.

Indirekt Rückendeckung erhalten Huffington und ihre Mitstreiter selbst von Präsident Barack Obama. Will dieser doch die großen Banken nicht nur an die Leine legen und deren Risikogeschäfte begrenzen. 30 Milliarden Dollar aus der Finanzhilfe für marode Finanzinstitute, die diese nun an den Staat zurückzahlen, soll an kleinere, lokal verwurzelte Banken fließen, um so die Kreditvergabe an den Mittelstand anzukurbeln.

Bert Ely findet die Kampagne trotzdem lächerlich. Es sei ein „psychologischer Sieg“ für zornige Kunden aber auch nicht mehr, meint der Finanzexperte und Bankenberater, der selbst Kunde bei einer Genossenschaftsbank ist. „Ich bezweifle, dass die Großbanken die Kontenauflösungen überhaupt registrieren.“

Das Internetportal „thebigmoney“ hat errechnet, dass rund 2,6 Millionen Wechsler nötig wären, um einen nennenswerten Effekt auf die Großbanken zu haben. Die Aufmerksamkeit von Bank of America dürfte es aber auf jeden Fall erregen, wenn dort auf einen Schlag 1,4 Milliarden Dollar abgezogen würden, meint Brian Egolf. Der demokratische Abgeordnete von New Mexico hat vorgeschlagen, dass der Bundesstaat seine Einlagen bei einer Kommunalbank anlegt. Gouverneur Bill Richardson zeigt sich angeblich nicht abgeneigt. Rita Neubauer

http://moveyourmoney.info/

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