Mozzarella-Skandal : EU-Kommission droht Italien mit Importstopp

Rom lässt die Frist für eine vollständige Aufklärung des Vorfalles in Brüssel verstreichen. Nun droht Italien für seinen famosen Mozarella ein Importverbot in die übrigen EU-Staaten. Währenddessen beteuert die italienische Regierung, das die Dioxinwerte nur geringfügig abwichen und nicht gesundheitsschädlich seien.

de Castro
Der italienische Agrarminister Paolo de Castro glaubt an seine Bauern und an seine Gesundheit. -Foto: AFP

BrüsselIm Skandal um womöglich mit Dioxin verseuchten Büffelmozzarella hat die EU-Kommission Italien mit einem Importstopp für übrige EU-Mitgliedstaaten gedroht. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung kritisierte Brüssel die bisherigen Maßnahmen Roms, den Handel mit dem möglicherweise betroffenem Weichkäse aufzuhalten.

Italien lässt Frist der EU verstreichen

Italien habe bisher keine Vorkehrungen für einen Rückruf der Produkte getroffen, hieß es darin. Die EU-Kommission forderte die italienischen Behörden zu "schnellem Handeln" auf. Der italienische Landwirtschaftsminister Paolo de Castro hatte zuvor erklärt, es gebe kein Gesundheitsproblem.

Die EU-Kommission hatte der Regierung in Rom eine Frist bis Donnerstagabend, 18.00 Uhr gesetzt, um vollständige Informationen über eine mögliche Verseuchung der Käsespezialität zu liefern. "Wenn wir bis dahin keine Antwort haben, wird die Kommission  Sicherheitsmaßnahmen erwägen", sagte eine Sprecherin.

Zwar hatte Rom bis zum Mittag Informationen nachgereicht, diese genügten der Brüsseler Behörde allerdings nicht. Bislang sei die  Kommission darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass in vier Betrieben und 23 Molkereien Dioxin-Werte in Büffelmilch gemessen wurden, die "ein wenig" über den in der EU zulässigen Grenzwerten lagen.

Italienischer Agrarminister ißt belasteten Mozarella vor laufender Kamera

Schutzmaßnahmen für den EU-Binnenmarkt und die Verbraucher in der Europäischen Union könnten nach Angaben der Sprecherin von einer Rückrufaktion bis hin zu einem Importverbot in die übrigen 26 EU-Mitgliedstaaten reichen. Der italienische Agrarminister bekräftigte derweil vor Journalisten in Rom, der Käse sei nicht gesundheitsgefährdend. De Castro startete einen Selbstversuch und aß vor laufender Kamera Mozzarella. Schädlich sei der Käse selbst mit einem leicht über dem Grenzwert liegenden Dioxin-Gehalt erst dann, wenn ein Mensch sieben Kilo davon verzehre, betonte er.

Die italienischen Behörden hatten in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass bei der Milch aus 66 Büffelherden in der  südlichen Region Kampanien ein überhöhter Wert des krebserregenden Dioxins festgestellt wurde. Japan und Südkorea hatten daraufhin ein Einfuhrverbot verhängt. Belgien kündigte am Donnerstag an, importierten Büffelmilch-Mozzarella aus Italien gründlich auf Verunreinigungen zu prüfen. Das kleine Land war 1999 von einer schweren Lebensmittelkrise gebeutelt worden, als auf Hühnerfarmen dioxinverseuchtes Futter entdeckt wurde.

In Italien werden jährlich rund 33.000 Tonnen Mozzarella hergestellt, rund eine Viertelmillion Büffel geben die Milch für die Spezialität. Etwa 80 Prozent des weißen Käses stammt aus Kampanien. 16 Prozent des Mozzarellas sind für den Export bestimmt. Die Mozzarella-Schutzgemeinschaft warnte bereits am Mittwoch, schon jetzt sei der Absatz um rund ein Drittel zurückgegangen. (ml/AFP)

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