Wirtschaft : MSCI-Börsenbarometer: Gelassene Reaktion auf Index-Reform

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Mehrere Schwergewichte an den deutschen Börsen konnten am Montag Gewinne verbuchen, obwohl sie durch die Reform der Aktienindizes des amerikanischen Index-Anbieters Morgan Stanley Capital International (MSCI) stark an Gewicht einbüßen werden. Die besonders betroffenen Papiere von Allianz, Münchner Rück, Infineon und Deutsche Telekom profitierten entgegen den Erwartungen von Analysten vom positiven Markttrend der Börsen in Europa. Händler begründeten die positiven Kursreaktionen damit, dass die Umstellung in den globalen MSCI-Aktienindizes erst Ende kommenden Jahres vorgenommen werden. Auch an den asiatischen Börsen reagierten Investoren kaum auf die angekündigten Umstellungen.

Die Investment-Bank MSCI hatte am Sonntag angekündigt, die Gewichtung der Unternehmensanteile künftig anhand der frei am Markt handelbaren Aktienmenge festzulegen. Mit dieser neuen Berechnungsgrundlage für die Aktienindizes folgt MSCI weitgehend den Vorhaben anderer Index-Anbieter und den Wünschen ihrer Kunden. Bei einer Umfrage bei Fonds-Managern, die MSCI bis Anfang November durchführte, sprachen sich viele für eine solche Umstellung aus. Die Neuberechnung war daher allgemein erwartet worden. Auch die Deutsche Börse AG will ihre Indizes vom Juni 2002 nur noch auf der Basis des Streubesitzes berechnen, die britische Financial-Times-Tochter FTSE ab Juni 2001. Beim amerikanischen Index-Anbieter Stoxx Ltd. erfolgt die Gewichtung der Aktien bereits seit September diesen Jahres auf Streubesitzbasis, was am deutschen Aktienmarkt zum Teil zu deutlichen Kursabschlägen geführt hatte. Denn bei Unternehmen wie der Deutschen Telekom, der Allianz oder Müncherner Rück ist ein hoher Anteil des Aktienkapitals aufgrund von Überkreuzbeteiligungen und staatlichem Anteilsbesitz in festen Händen, so dass vergleichsweise wenig Aktien im Streubesitz und damit frei handelbar sind.

Zu wenig Aktien für zu viele Käufer

Viele Fonds orientieren sich bei ihren Anlagestrategien an der Zusammensetzung von Aktienindizes, bilden diese teilweise sogar exakt ab. Das heißt, die Zusammensetzung ihrer Fonds entspricht genau der Zusammensetzung der Indizes, in denen die wichtigsten Aktien bestimmter Börsen oder Branchen zusammengefasst werden. Die Indizes spiegeln wiederum bei ihrer Gewichtung den Wert eines Unternehmens, seine Börsenkapitalisierung wider. Ist diese jedoch hoch wie bei der Telekom, dann müssen die Fonds einen entsprechend hohen Anteil Telekom-Aktien in ihrem Depot halten. Doch wurde dabei bisher vom Index-Anbieter eben nicht berücksichtigt, dass ein großer Teil der Papiere nicht käuflich ist, da der Staat als größter Anteilseigner seine Aktien nicht anbietet. Folgten die Fonds-Manager also den Vorgaben des Index-Anbieters, verursachten sie eine hohe Nachfrage, die die Kurse nach oben trieb. Mit der angekündigten Umstellung sollen solche Auschläge verhindert werden. Die Gewichtung der Gesellschaften in den Indizes orientiert sich nun an den für die Fonds-Manager überhaupt erhältlichen Aktien.

MSCI will mit der Änderung der Indizes Ende November 2001 beginnen und sie bis Ende Mai 2002 beendet haben. Neben dem Streubesitz sollen die Indizes künftig zudem 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Branchen eines Landes abbilden. Gegenwärtig liegt die Quote bei 60 Prozent. Durch beide Maßnahmen wird es zu veränderten Gewichtungen für einzele Aktientitel und zu Neuaufnahmen in die Indizes kommen.

Durch die Umstellung werden nach Angaben von Experten vor allem Aktien von Unternehmen aus den USA und Großbritannien profitieren, da dort kaum Anteile beim Staat gebunden sind, während Titel aus Japan, Deutschland und Frankreich verlieren. Es wurde zuletzt damit gerechnet, dass Investoren Aktien im Volumen von etwa 200 Milliarden Dollar umschichten werden. Die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney erwartet, dass die Veränderungen das Gewicht der US-Aktien im MSCI World Index auf 55,68 Prozent (derzeit 51,2 Prozent) und das von Firmen aus Großbritannien auf 10,4 Prozent (bislang 9,68 Prozent) steigen lassen werden. Für Japan wird eine Verringerung der Gewichtung auf 9,6 (bislang 11,5) Prozent, für Frankreich auf 4,1 (5,0) Prozent und für Deutschland auf 3,0 (3,9) Prozent erwartet.

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