Wirtschaft : Müller macht die Commerzbank für Investoren attraktiv

Kündigung der Betriebsrenten verbittert die Arbeitnehmer/Knapp 30 Millionen Euro sollen jährlich gespart werden

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Berlin (dr). Die Arbeitnehmer der Commerzbank haben heftigen Widerstand gegen die Kündigung der Betriebsrenten bei dem Institut angekündigt. Uwe Foullong, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Bank sitzt, sprach von „dramatischen Einschnitten“ und einem „skandalösen Vorgehen“. Mitarbeiter bezeichneten das Betriebsklima als ruiniert. Verdi erwägt eine Klage, ein Rechtsgutachten soll bis zum 22. Januar vorliegen. Die Kündigung war dem Betriebsratsvorsitzenden am 30. Dezember 2003 per Kurier zugestellt worden, um die Frist bis zum 31. Dezember einzuhalten.

Die CommerzbankAktie reagierte zunächst positiv auf die Kündigung der Betriebsrente. Zum Schluss des Xetra-Handels notierte das Papier jedoch gegenüber dem Vortag unverändert bei 16 Euro. Analysten der WestLB stuften den Titel von „Outperform“ auf „Buy“ hoch. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) bestätigte den Titel als „Marketperfomer“. Gemäß dieser Einstufung geht die LRP davon aus, dass sich „die Aktie mittelfristig um bis zu zehn Prozentpunkte besser oder schlechter entwickeln wird, als der Deutsche Aktienindex (Dax)“.

Mit der Kündigung will der Vorstandsvorsitzende der Bank, Klaus-Peter Müller, sein Institut offenbar von Kosten entlasten und gegebenenfalls für ausländische Interessenten attraktiver machen. Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, begrüßte den Schritt „als weitere Vorbereitungsmaßnahme für eine mögliche grenzüberschreitende Fusion“. Schließlich schreckten ausländische Adressen häufig vor unsicheren Pensionsrückstellungen deutscher Unternehmen zurück. Zudem unterstreiche die Maßnahme den rigorosen Sparkurs. „Die Kosteneinsparungen scheinen aber nicht so groß, dass damit eine Übernahme viel wahrscheinlicher wird“, sagte hingegen der Analyst der Bankgesellschaft Berlin, Alexander Plenk. Die Bank nutze vielmehr die momentane Situation auf dem Arbeitsmarkt. Mit der Kündigung entlastet sich die Commerzbank nach Ansicht von Branchenkennern um jährlich 20 bis 30 Millionen Euro. Nur ein Bruchteil der budgetierten Gesamtkosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro für 2004. Bestehen bleiben zudem zunächst die Pensionsrückstellungen für die bisher zugesagten Betriebsrenten. Eine Sprecherin der Bank bezifferte diese per 31. Dezember 2002 auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Commerzbank-Chef Müller zu drastischen Maßnahmen gegriffen. So wurden im dritten Quartal 2003 rund 2,3 Milliarden Euro auf Beteiligungen abgeschrieben und dafür ein Nettoverlust für 2003 von rund zwei Milliarden Euro angekündigt. Gleichzeitig erlöste die Bank im Zuge einer Kapitalerhöhung etwa 760 Millionen Euro. In den vergangenen zwei Jahren sind zudem rund 6000 Stellen bei der Commerzbank gestrichen worden.

Die Betriebsrente ist eine einseitige Leistung des Arbeitgebers, zu der der Arbeitnehmer keinen Betrag zahlt. Die Kündigung betrifft rund 26000 Mitarbeiter in der AG. Bestehende Ansprüche bleiben zwar erhalten, die Mitarbeiter können aber von 2005 an keine neuen Ansprüche mehr erwerben. Im Einzelfall kann es um bis zu 200 Euro im Monat gehen, die ein Mitarbeiter künftig weniger als Betriebsrente erhält. Für neue Mitarbeiter zahlt die Commerzbank bereits seit Anfang 2003 keine Betriebsrente mehr. Nicht betroffen sind hingegen die übrigen Mitarbeiter im Konzern und der Vorstand. Dieser habe bereits zu einem früheren Zeitpunkt auf Ansprüche verzichtet, erklärte eine Banksprecherin auf Anfrage.

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