Wirtschaft : Müller und Henkel streiten über Green Card für Ingenieure

Bundeswirtschaftminister Werner Müller hat zurückhaltend auf die Forderung der deutschen Industrie nach einer Green Card für ausländischen Ingenieurnachwuchs reagiert. Eine ähnliche Initiative der Bundesregierung wie für die Computer-Wirtschaft werde es "in dieser Breite in anderen Branchen nicht geben", sagte Müller am Montag bei seinem Rundgang über die Hannover Messe. Die Industrie müsse zunächst prüfen, wie viele in den letzten Jahren arbeitslos gewordene deutsche Ingenieure wieder eingestellt werden könnten. "In Deutschland liegt viel zu viel Know-how ohne Not einfach brach", kritisierte Müller. Ausländische Ingenieure sollten nur bei akuten Engpässen in bestimmten Branchen ins Land geholt werden.

BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel hingegen hat eine weitere Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts für Fachkräfte aus dem Ausland verlangt und sich indirekt für ein Einwanderungsgesetz ausgesprochen. Bis zum Jahr 2003 rechne er in der gesamten Wirtschaft mit einem Fehlbedarf von 300 000 Fachleuten, sagte Henkel auf der Messe. Schon deswegen müsse man den Arbeitsmarkt schnellstens für hoch qualifizierte Fachkräfte öffnen. "Wenn dazu ein Einwanderungsgesetz nötig ist, dann sage ich: Warum nicht?", betonte Henkel.

Der Verband der Elektrotechnik (VDE) hält die Anwerbung von ausländischen Computerspezialisten für den falschen Weg. Das Problem des noch zunehmenden Ingenieur-Mangels könne damit keinesfalls beseitigt werden, sagte der VDE-Vorsitzende Rolf Windmöller. Grundsätzlich sei die Green-Card-Initiative zwar ein richtiger Ansatz, aber "auch die besten Formel-Eins-Piloten lösen nicht das Problem eines Rennstalls, der durch fehlende Ingenieure keine Autos mehr bauen kann", sagte Windmöller.

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