Wirtschaft : Münchener Rück hält trotz Defizits an Ergo fest

Verkauf von Anteilen an der Hypo-Vereinsbank möglich

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München (nad). Die Münchener Rück erwägt, ihre 25Prozent-Beteiligung an der krisengeschüttelten Hypo-Vereinsbank (HVB) langfristig zu reduzieren. „Ich habe immer gesagt, dass die Höhe unserer HVB-Beteiligung nicht sakrosankt ist“, sagte Vorstandschef Hans-Jürgen Schinzler am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Es sei durchaus vorstellbar, dass die erfolgreiche Kooperation von HVB und des Erstversicherers Ergo auch durch eine geringere Beteiligungsquote unterlegt werden könne. Allerdings gebe es angesichts des geringen Aktienkurses der HVB derzeit keinen Anlass, über einen Verkauf nachzudenken.

Mehrere Aktionärsvertreter kritisierten, dass sich der Rückversicherer angesichts strategischer Fehlentwicklungen bei der HVB bisher nicht von weiteren Anteilen getrennt hat. Für die defizitäre Erstversicherungstochter Ergo gab Schinzler dagegen ein klares Bekenntnis ab. Die Strategie, sich mit Ergo ein zweites Standbein neben der Rückversicherung zu schaffen, sei ein richtiger Schritt gewesen. „Die gegenwärtige Ertragsschwäche in der Erstversicherung, die ausschließlich auf den Einbruch vor allem des deutschen Aktienmarktes zurückzuführen ist, kann kein Argument sein, unsere langfristig ausgerichtete Strategie zu ändern“, sagte Schinzler.

Der Konzernchef gab zu, dass das Jahr 2002 die Erwartungen nicht erfüllt hat. Neben einer Vielzahl von Naturkatastrophen habe sich vor allem die Börsenschwäche negativ ausgewirkt. Wegen des Kursverfalls musste die Münchener Rück Abschreibungen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro vornehmen. Nach drei negativen Quartalen in Folge schloss die Münchener Rück wegen Wertpapier-Abschreibungen auch das erste Quartal 2003 mit einem Minus von 238 Millionen Euro ab. Für das Gesamtjahr wollte Schinzler keine Prognose abgeben. Er erwarte aber immer noch „Nachlaufbelastungen“ aus der negativen Börsenentwicklung. Im versicherungstechnischen Geschäft rechnet Schinzler dagegen mit deutlichen Verbesserungen.

Für Schinzler war es die letzte Hauptversammlung als Vorstandschef. Er wird zum Jahreswechsel von Nikolaus von Bomhard an der Konzernspitze abgelöst. Mehrere Aktionäre kritisierten den Wechsel Schinzlers an die Spitze des Aufsichtsrats. „Es darf keinen Automatismus dieser Art geben“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Schinzler erwiderte, er sei Profi genug, um zwischen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitz unterscheiden zu können. Zudem sei sein Nachfolger Bomhard „Manns genug, seine eigenen Entscheidungen zu treffen“. Beim Konzern stehen noch weitere Personalwechsel an. Der für Unternehmensplanung zuständige Vorstand Clement Booth scheidet überraschend zum Oktober aus familiären Gründen aus; sein Nachfolger wird Torsten Jeworrek, der bisher den Geschäftsbereich Nordeuropa/Großbritannien leitet. Die Nachfolge des designierten Konzernchefs von Bomhard für einen Teil des internationalen Geschäfts wird Georg Daschner antreten.

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