Wirtschaft : Münchener Rück rechnet mit mehr Naturkatastrophen

Forscher der Versicherung erwarten „dramatischen Klimawandel“

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München (nad). Die Klimaforscher des weltweit größten Rückversicherers Münchener Rück konnten sich über den heißen Sommer in diesem Jahr nicht so recht freuen. „Der Sommer hat uns in unserem Pessimismus bestätigt, dass sich das Klima dramatisch verändert und immer mehr Naturkatastrophen mit sich bringen wird“, sagte Gerhard Berz, Leiter des Fachbereichs GeoRisiko-Forschung, am Mittwoch in München.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Anzahl der Naturkatastrophen mit etwa 700 erfassten Schadenereignissen deutlich über dem langjährigen Mittel von 650 Schäden gelegen. Im Vergleich zu den 60er Jahren ist die Zahl der Naturkatastrophen im vergangenen Jahrzehnt auf mehr als das Dreifache angestiegen. Berz zufolge hat der Sommer 2003 mit Temperaturen, die um 3,5 Grad über dem Mittelwert lagen, die Meere stark aufgeheizt und ein großes Potenzial an Energie erzeugt. Dieses werde sich im Herbst und Winter voraussichtlich in schweren Unwettern entladen.

Die größte Gefahr geht nach Einschätzung des Experten von Stürmen und Überschwemmungen aus. Im vergangenen Jahr führten diese Naturkatastrophen die Bilanz mit knapp 500 Ereignissen an. Auch die Schadenbelastung aus Stürmen ist für die Versicherer am größten, vor allem in Risikogebieten wie Florida, auch wenn der jüngste Sturm „Isabel“ mit einem versicherten zweistelligen Millionenschaden für den Rückversicherer relativ glimpflich ablief.

Der Trend sieht ganz anders aus. Durch die dichte Besiedelung, die hohe Touristenquote und die hohe Konzentration von Sachwerten in den Haushalten habe die Schadenbelastung in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Das Extremszenario eines Hurricanes an der US-Ostküste würde die Versicherungswirtschaft nach Angaben der Münchener Rück 80 bis 100 Milliarden Dollar kosten.

Aber auch in Europa wird der Schaden durch Stürme infolge der Klimaveränderung nach Ansicht von Berz weiter zunehmen. Den Maximalwert für versicherte Schäden bei Stürmen in Europa bezifferte er auf 20 Milliarden Euro. Der teuerste Einzelsturm war Wirbelsturm „Lothar“, der die Versicherer 1999 knapp sechs Milliarden Euro kostete.

„Wir müssen in Zukunft ein deutlich strikteres Risikomanagement betreiben“, kündigte Berz an. Es genüge nicht mehr, die Prämien auf der Basis der Erfahrungen der Vergangenheit zu berechnen. Berz forderte außerdem eine stärkere Selbstbeteiligung von Versicherungsnehmern und verstärkte finanzielle Hilfe des Staates bei Schadenszahlungen aus Stürmen und Überschwemmungen.

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