Muhammad Yunus : Der soziale Blick auf die Welt

Der Nobelpreisträger Muhammad Yunus stellte in Berlin sein neues Buch vor. Es geht darin um eine neue Form von Konzernen, die Sozialunternehmen. Sie verkaufen Produkte, mit denen sie keinen Profit machen wollen.

Verena Friederike Hasel
Yunus
Der Nobelpreisträger Yunus will eine neue Art von Firmen gründen. -Foto: AFP

Berlin - Der Friedensnobelpreisträger trägt eine Brille. Zumindest sagt er das, entdecken kann man sie auf seiner Nase nicht. Muhammad Yunus’ Werkzeug, um die Welt zu sehen, ist unsichtbar. Er habe die Sozialbrille auf, sagt Yunus, als er am Freitag in Berlin sein Buch vorstellt. Er wünsche sich, dass sie mehr Menschen aufsetzten – anstelle der Profitbrille.

„Die Armut besiegen“ heißt das Buch des ehemaligen Professors für Ökonomie, und so lautet auch sein Lebensthema. Seit 31 Jahren vergibt Muhammad Yunus über die von ihm gegründete Grameen Bank Mikrokredite an die Ärmsten Bangladeschs. Dafür bekam der Bengale 2006 den Nobelpreis – und arbeitete zu dieser Zeit schon an seinem nächsten Projekt wider die Armut: einer ganz neuen Form von Konzernen, den Sozialunternehmen.

Um sie geht es vornehmlich in Yunus’ Buch, am Beispiel von Grameen Danone Foods, seiner Kooperation mit dem Lebensmittelkonzern Danone, beschreibt er ihre Arbeitsweise. Seit 2007 produziert Danone in Bangladesch den „Kraftjoghurt“, eine mit Eisen und Vitamin A angereicherte Speise für die Armen, erhältlich für etwa ein Drittel des Preises, den Joghurt ansonsten im Land kostet. Geld verdient Danone damit nicht, das ist Kennzeichen eines Sozialunternehmens, nur seine Investitionen bekommt der Konzern eines Tages zurück.

Dass Unternehmen sich derart engagieren, das erscheint Muhammad Yunus gar nicht abwegig. Offensichtlich glaubt er daran, dass der Mensch einen guten Kern hat, auch wenn er es so nicht nennt. Er spricht vom „mehrdimensionalen Menschen“, der nicht nur auf Profit aus ist, sondern auch Gutes tun will. Den Hinweis, dass Unternehmen sich mit einer solchen Arbeit womöglich nur schmücken wollen, nimmt er gleichmütig auf. „Vielleicht benutzen sie mich“, sagt er. „Vielleicht benutze ich sie aber auch. Hauptsache, etwas Gutes entsteht.“

Bislang spielte Yunus’ Traum vom Ende der Armut vor allem in seiner Heimat und anderen Entwicklungsländern. In Zeiten der Finanzkrise bekommt sie anderswo Relevanz: In den USA hat Muhammad Yunus einmal studiert, nun ist er dorthin zurückgekehrt. Im New Yorker Stadtteil Jackson Heights, wo viele arme Immigranten Kredite aufnehmen, die sie nicht zurückzahlen können, hat die Grameen Bank dieses Jahr ihren ersten Ableger außerhalb von Bangladesch eröffnet. Inzwischen hat sie schon 100 Kunden.

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