Wirtschaft : Murdoch und Kirch im Visier des Kartellamts

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Die offenbar unmittelbar bevor stehende Allianz im deutschen Bezahlfernsehen zwischen Leo Kirch und Rupert Murdoch stößt auf kartellrechtliche Bedenken. "Das wird ein neuer Fall für die Fusionskontrolle, bei dem ich noch nicht weiß, wie er ausgeht," so der scheidende Kartellamtspräsident Dieter Wolf. Denn dabei werde eine Konstruktion angestrebt, "die eine Kontrolle durch Murdoch bedeuten würde". Das Bündnis ist zwar noch nicht beim Kartellamt angemeldet, das Amt ist aber informiert und sagt dazu nur so viel: Ein Fusionskontrollverfahren ist "mit Sicherheit" zu erwarten.

Aus anderer Quelle heißt es, Murdoch erwerbe für fast zwei Milliarden Mark knapp ein Viertel der Kirch Pay TV KGaA, unter deren Dach der einzige deutsche Bezahlsender Premiere World angesiedelt ist. Formal geht es zwar nur um eine Minderheitsbeteiligung, die beim Kartellamt nur anmeldepflichtig wäre. Da sich Murdoch aber zusätzliche Kontrollrechte sichern wolle, müsse der Einstieg nach EU-Recht geprüft werden. Dem Vernehmen nach beansprucht Murdoch bei der Kirch Pay TV ein Vetorecht in Etatfragen, beim Einkauf vor allem von Sportrechten und in Grundsatzfragen. Damit wäre der Deal kartellrechtlich als Zusammenschluss zu werten. Da damit beim Bezahlfernsehen in Deutschland auch eine Monopolstellung von Premiere World zementiert wäre, weil wohl kaum ein Konkurrent gegen ein Duo Kirch/Murdoch anzutreten wage, sei zusätzlich eine Rückverweisung des Falls von Brüssel zum Bundeskartellamt denkbar. Dazu ist das Amt berechtigt, wenn es die Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung befürchtet. "Das ist ein brisanter und kritischer Fall" und keinesfalls ein Selbstläufer, so Kartellexperten. Vermutungen, das Bündnis werde sicher abgelehnt, teilen sie aber nicht.

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