Wirtschaft : Musik im Netz: Im Netz spielt die Musik

Henrik Mortsiefer

"Dies ist der Anfang einer schönen neuen Welt." Wenn Unternehmer so feierlich werden wie Howard Stringer, Chef von Sony of America, dann sollte man genauer hinhören. Was Stringer pathetisch werden lässt, ist der konzertierte Vorstoß der Musikkonzerne ins Internet-Geschäft. Nachdem die Großen lange stillgehalten und dem Treiben der MP3-Rebellen Napster, Gnutella und Co. scheinbar hilflos zugeschaut haben, schlagen sie nun zurück. Das Netz wird unter den beiden kostenpflichtigen Portalen Duet und Musicnet aufgeteilt, und es passiert, was Experten vorausgesagt haben: Die starken Marken schaffen die Standards im E-Business.

Es wurde ja auch langsam Zeit. Die Verluste, die die Plattenfirmen auf ihren traditionellen Vertriebswegen aufgehäuft haben, weil ihre Kunden zu den elektronischen Gratis-Tauschbörsen abwanderten, haben eine bedrohliche Höhe erreicht. Dass zugleich im Netz ein Milliarden-Geschäft brach lag, konnte kein Dauerzustand bleiben. Die Konzerne haben dies erkannt und nach erfolgreichen Urheberrechtsklagen zu Lasten der Netz-Piraten ihre Offensive gestartet. Ärgern wird das jene Musikfreunde, die ihre CDs bisher kostensparend am heimischen PC gebrannt haben. Ob sich aber die Konzerne andererseits über das Ergebnis der Legalisierung freuen dürfen, muss sich erst zeigen. Denn der Erfolg der Kommerzialisierung hängt von einem Faktor ab: der Zahlungsbereitschaft der Surfer. Und die ist nicht besonders groß. Das von den Musikkonzernen ausgerufene "neue Zeitalter im digitalen Vertrieb" hat erst begonnen, wenn auch im virtuellen Großhandel die Musik für die Marktführer spielt.

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