Musikbranche : Superstar oder Superflop?

Thomas Stein, Chef der Musikfirma 313 Music JWP und Ex-Juror bei "Deutschland sucht den Superstar" geht. Seine Kritiker weinen ihm keine Träne nach. In Zukunft

Heike Jahberg
Thomas Stein
Thomas M. Stein (links) und Jack White. -Foto: Public Address Presseagentur

Berlin - „DMark08“ wird langsam ungeduldig: „Ich will das Desaster jetzt endlich schwarz auf weiß sehen, um zu sehen, wie lange Cash noch reicht“, schreibt der frustrierte Anleger der Musikfirma 313 Music JWP AG im Internetforum „Wallstreet-Online“.

Sein Flehen dürfte jetzt erhöht werden. „Wir werden in dieser Woche die Zahlen vorlegen“, sagte Aufsichtsratschef Jürgen Uhlemann dem Tagesspiegel am Sonntag. Endlich. Denn eigentlich sollten die Daten bereits im April veröffentlicht werden, doch daraus wurde nichts, weil Zahlen der Tochtergesellschaft aus Puerto Rico, der VI Music Holding, fehlten. Stattdessen schockte das Unternehmen, das früher Jack White Productions AG hieß, die Anleger erst einmal mit Schreckensnachrichten von der deutschen Aktiengesellschaft.

Danach hat die 313 Music JWP AG im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,2 Millionen Euro einen Jahresfehlbetrag von 4,3 Millionen Euro verbucht. Kritiker halten selbst diese Zahlen noch für geschönt. „Der Verlust in der AG liegt höher“, sagt Frank Nußbaum. Er spricht von unverständlichen Bewertungsfragen und somit Risiken von sieben bis zehn Millionen Euro, die in den Zahlen nicht berücksichtigt seien.

Nußbaum gehört zu den größten Kritikern von Vorstandschef Thomas Stein. Sein Vater ist der Firmengründer Jack White alias Horst Nußbaum, der mit Titeln wie „Schöne Maid“ und „Fußball ist unser Leben“ Millionen verdient hat. Im September 2005 hatte White Thomas Stein in den Aufsichtsrat seines Unternehmens geholt, im März 2006 hatte er ihn zum Vorstandsvorsitzenden der Firma gemacht. Das sei „wie ein Sechser im Lotto“, hatte der Berliner damals über den ehemaligen Bertelsmann-Manager Stein gesagt. Heute sagt White nichts mehr. Per einstweiliger Verfügung seien ihm alle Äußerungen über die Firma untersagt, heißt es.

Zwischen dem vermeintlichen „Sechser im Lotto“ und dem Maulkorb für den Firmengründer liegen anderthalb Jahre einer erbitterten Männerfeindschaft. Stein und White überziehen sich heute mit Klageandrohungen und gegenseitigen Vorwürfen. So wirft Stein Jack White und seinem Sohn Frank, der seinerzeit Finanzvorstand der AG war, vor, für die Jahre 2004 und 2005 mit falschen Zahlen aus dem Amerikageschäft operiert zu haben. Die Familie weist das zurück. „Sämtlichen damaligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern waren alle verfügbaren Fakten bekannt. Gleiches gilt für die Wirtschaftsprüfer“, sagt Frank Nußbaum. Thomas Stein sei von Anfang an informiert gewesen, betont Nußbaum, der sich dagegen wehrt, zum Sündenbock für die Verluste der Firma gemacht zu werden. 2006 nahm Nußbaum seinen Hut – als Reaktion auf den Druck aus dem Aufsichtsrat und wegen Differenzen mit dem damaligen Aufsichtsratvorsitzenden Hartmut Fromm, wie er heute sagt. Im August 2007 warf Thomas Stein Vater Jack aus der Firma, weil er mit seinem neuen Musikverlag „Gloriella“ angeblich gegen das Konkurrenzverbot verstoßen habe. „Quatsch“, sagt Sohn Frank, „dass mein Vater den Verlag gründet, war allen bereits im März bekannt.“ Zudem sei Jack White auch gar nichts anders übrig geblieben, nachdem Stein den Musikverlag „Transcontinent“, in dem alle alten White-Titel enthalten waren, verkaufen wollte.

Das Tischtuch zwischen den Berlinern und dem Vorstandschef, der mit seiner Firma inzwischen nach München umgezogen ist, ist zerschnitten. Die Misserfolge des Musikmanagers sind ein Lieblingsthema von Frank Nußbaum. Dass etwa der Drogeriediscounter Schlecker (SVA) nach dem Ausscheiden von Jack White im August 2007 beschlossen hat, keine CDs der Firma mehr zu vertreiben. „Das hat rund zwei Millionen Umsatz gekostet, ein Drittel des gesamten deutschen Jahresumsatzes“, sagt Nußbaum. Und auch die gegen Stein gestellte Strafanzeige eines Ex-Aufsichtsratsmitglieds bei der Staatsanwaltschaft München lässt der Ex-Finanzvorstand nicht unerwähnt.

Jürgen Uhlemann, seit sechs Wochen Chef des Aufsichtsrats, will die alten Fehden beenden. Am Freitag hat er sich mit Jack White getroffen. Und auch einen Nachfolger für Thomas Stein, der seinen Vertrag „aus familiären Gründen“ nicht verlängert und im August nach der Hauptversammlung seinen mit 304 000 Euro dotierten Vorstandsposten niederlegt, hat er bereits gefunden, sagt er. Mit knapp 5,9 Prozent ist Uhlemann drittgrößter Aktionär der 313 Music JWP AG. Notfalls würde er noch zuschießen. „Ich stehe bereit zu investieren“, sagte Uhlemann dieser Zeitung.

Auch der größte Aktionär, der Effecten-Spiegel, hält dem Unternehmen die Treue. Die AG ist mit gut 18 Prozent an der Musikfirma beteiligt und will ihre Aktien nicht verkaufen. „Bei diesen Kursen nicht“, sagt Vorstand Marlis Weidtmann. Die Aktie dümpelt derzeit bei 50 Cent, das ist noch nicht einmal die Hälfte des Preises, den die Aktionäre bei der Kapitalerhöhung vor einigen Monaten zahlen mussten. Und weit entfernt von jenen 53 Euro, die die Jack-White-Aktie zu Spitzenzeiten erreicht hatte. Auch Weidtmann gibt das Unternehmen nicht verloren. „Wir sind bereit, die Firma zu stärken“, beteuert sie.

Weidtmann und Uhlemann glauben an das neue Konzept, das Stein entworfen hat, und das heißt Künstlermarketing und Veranstaltungsmanagement. Dazu zählt seit dem vergangenen Jahr die 313 Music GmbH, die zu 51 Prozent der AG gehört. Unter Vertrag stehen unter anderem die Stars von „Deutschland sucht den Superstar“ wie Mark Medlock oder Thomas Godoj, die von der GmbH vermarktet werden. „DSDS“-Oberjuror Dieter Bohlen ist mit der 313 Music JWP AG vertraglich verbunden – über einen Beratervertrag. Den will übrigens auch Thomas Stein nach seinem Ausscheiden.

Doch Branchenexperten warnen: „Das Künstlermanagement ist ganz nett, bringt aber nicht viel Cash in die Kasse“, sagt Volker Glaser vom Börsenbrief Tradecentre. Das meint auch Frank Nußbaum. „Wenn Mark Medlock 500 000 Singles verkauft, bekommt seine Plattenfirma Sony BMG bei einem Händlerabgabepreis von zwei Euro eine Million Euro“, rechnet der Finanzexperte vor. Medlock erhalte davon maximal zehn Prozent, also 100 000 Euro. Davon müsse er der 313 Music GmbH 20 Prozent abgeben, also 20 000 Euro. Und nur rund die Hälfte wandert davon in die Kasse der 313 Music JWP AG, glaubt Nußbaum: „Nach Abzug der Kosten bleibt so gut wie nichts übrig.“

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