Wirtschaft : Musikkonzern EMI baut drastisch Stellen ab

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Der britische Musikkonzern EMI rechnet nicht mit einer schnellen Erholung des Musikmarktes. Die Umsätze mit Musik-CD und Videos werden nach einer Schätzung des Konzerns bis zum Jahr 2005 selbst im besten Fall um nur fünf Prozent zunehmen. Vor allem das kommende Jahr werde hart, so der Konzern am Mittwoch bei der Präsentation seiner Strategie in London.

Die EMI will auf Grund der Marktflaute nicht nur rund 1800 Arbeitsplätze streichen, sondern auch die Zahl der unter Vertrag stehenden Künstler reduzieren. "Wir haben einfach zu viele Stars und Sternchen", sagte Alain Levy, neuer Chef von EMI Recorded Music. Allein in Finnland seien 49 Künstler unter Vertrag, so der Franzose flapsig: "Ich glaube kaum, dass es 49 Finnen gibt, die singen können."

Doch Selbstkritik ist deshalb in London noch lange kein Thema: EMI-Chef Eric Nicoli verteidigte gestern, dass trotz des Sparkurses die Boni der Manager bei erfolgreicher Sanierung kräftig steigen werden. Levy etwa habe ein relativ geringes Grundgehalt, bekomme aber einen nach Gewinn steigenden Bonus. Der Abbau von 18 Prozent der 9400 Stellen dürfe nicht in diesem Zusammenhang gesehen werden. Es gehe darum, "einen starken Konzern im Wettbewerb zu formen". Gut 900 Stellen seien bereits abgebaut. Emi Deutschland sei kaum betroffen: "Da ist das meiste schon vollzogen."

Der Emi-Konzern, der Stars wie Mick Jagger, Pink Floyd und Kylie Minogue unter Vertrag hat, ist stärker als die Konkurrenz von der Flaute am Musikmarkt betroffen. Der nach Marktanteilen hinter Universal, Sony, und Warner viertgrößte Plattenkonzern der Welt hat es nicht geschafft, auf dem US-Markt erfolgreich zu expandieren. Zudem belasten fehlgeschlagene Fusionsversuche sowie Fehler bei der Auswahl der Stars. Auch die Aktionäre bekommen das zu spüren: Die Dividende für das abgelaufenen Geschäftsjahr wird auf acht Pence halbiert.

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