Wirtschaft : „Muss ich künftig bis 67 arbeiten?“

Die häufigsten Fragen der Leser: Wann kann ich in Rente gehen, und was kostet mich der vorzeitige Ausstieg?

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TELEFONAKTION RENTE: WAS EXPERTEN TAGESSPIEGEL–LESERN RATEN

Muss ich künftig bis 67 arbeiten? Warum tauchen in meiner Renteninformation die Ausbildungszeiten nicht auf, und wie hoch sind die Abschläge, wenn ich vorzeitig in Rente gehe? Fragen über Fragen an die Experten der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die am Donnerstag am TagesspiegelTelefon Ihre Anrufe entgegengenommen haben. Was Stefan Braatz, Walter Glanz, Rainer Helbing und Karin Klopsch geantwortet haben, lesen Sie hier:

Ich bin jetzt 60 Jahre alt und würde gern vorzeitig in Rente gehen. Jetzt habe ich aber gehört, dass es die Altersrente für Frauen mit 60 nicht mehr gibt. Stimmt das?

Nein, das stimmt nicht. Vorgezogene Altersrenten für Frauen, Arbeitslose oder nach Altersteilzeitarbeit gibt es noch, aber diese Modelle laufen aus. In Anspruch können sie nur noch Versicherte nehmen, die vor 1952 geboren sind. Und die Betroffenen müssen Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen.

In welcher Höhe?

Der Abschlag beträgt 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vorzeitig in Rente geht. Wie viel das im Einzelfall ist, sollten Sie sich bei Ihrem Rentenversicherungsträger ausrechnen lassen. Abhängig von der Rentenart und dem Zeitpunkt des vorzeitigen Rentenbeginns können die Abschläge bis zu 18 Prozent betragen.

Wie geht das?

Sie sollten bei der BfA oder bei den Landesversicherungsanstalten eine so genannte Rentenauskunft beantragen. Bei der BfA können Sie eine solche Rentenauskunft im Internet bestellen unter www.bfa.de . Sie können aber auch die Hotline unter der Nummer 0800/3331919 anrufen.

Wie unterscheidet sich die Rentenauskunft von der Renteninformation?

Die Renteninformation bekommen Sie automatisch von Ihrem Rentenversicherungsträger zugeschickt. Die Renteninformation informiert Sie darüber, wie hoch Ihre Rente wäre, wenn Sie weiterhin wie bisher Beiträge einzahlen. Die Rentenauskunft geht weiter. Sie sagt Ihnen auch, ob Sie vorzeitig in Rente gehen können und wie hoch die Abschläge wären.

Warum tauchen in meiner Renteninformation meine Ausbildungszeiten nicht auf?

Zeiten der schulischen Ausbildung und Studienzeiten werden der Rentenversicherung nicht automatisch gemeldet. Sie müssen diese Zeiten den Rententrägern melden und mit entsprechenden Unterlagen belegen.

Ich bin seit zwei Jahren arbeitslos, und mein Arbeitslosengeld läuft aus. Arbeitslosenhilfe werde ich nicht beziehen, weil meine Frau arbeitet. Jetzt könnte ich einen 400-Euro-Job bekommen. Worauf muss ich dabei achten?

Sie sollten die Rentenbeiträge Ihres Arbeitgebers aufstocken. Bei den Mini-Jobs zahlt nämlich nur der Arbeitgeber einen Beitrag von 12 Prozent an die Rentenversicherung. Bei normalen Jobs entrichten Arbeitgeber und Arbeitnehmer dagegen gemeinsam 19,5 Prozent. Aber nur wenn man die vollen Beiträge zahlt, behält man den Anspruch auf eine mögliche Rente wegen Erwerbsminderung. Bei der Erwerbsminderungsrente muss man nämlich in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben. Wer einen 400-Euro-Job hat und diesen mit Eigenbeiträgen aufstockt, zahlt Pflichtbeiträge im Sinne des Gesetzes.

Wie hoch ist der Eigenbeitrag?

Bei einem Einkommen von 400 Euro müssen Sie einen Eigenbeitrag von 30 Euro im Monat zahlen.

Ich habe eine Ich-AG gegründet. Vermutlich wird mein monatliches Einkommen aber unter 400 Euro liegen. Muss ich trotzdem Beiträge zur Rentenversicherung zahlen?

Nein. Wenn Ihr durchschnittliches Einkommen innerhalb der so genannten Geringfügigkeitsgrenze liegt, brauchen Sie keine Beiträge an die Rentenversicherung zu zahlen.

Ich bin jetzt 64 Jahre alt und arbeitslos. Was ist günstiger für mich: das Arbeitslosengeld oder die Rente?

Sie sind gut beraten, wenn Sie das Arbeitslosengeld so lange in Anspruch nehmen wie möglich und erst anschließend in Rente gehen. Denn vom Arbeitslosengeld werden noch Beiträge an die Rentenversicherung abgeführt, die Ihre Rente erhöhen. Außerdem werden keine Rentenabschläge vorgenommen, wenn Sie die Rente mit dem 65. Lebensjahr beantragen.

Wie hoch sind diese Beiträge?

Die Beiträge vom Arbeitslosengeld werden auf Basis von 80 Prozent des letzten Bruttoeinkommens berechnet.

Muss ich künftig bis 67 arbeiten?

Das ist einer der Vorschläge der Rürup-Rentenkommission. Ob dieser umgesetzt wird, bleibt erst einmal abzuwarten. Aber selbst wenn man künftig nicht mehr mit 65, sondern mit 67 in Rente gehen soll, ist auch ein früherer Renteneinstieg möglich. Allerdings müssen Sie dann mit Abschlägen rechnen.

Wie hoch werden die Abschläge sein?

Wenn die Reformvorschläge unverändert umgesetzt werden sollten, wäre der Jahrgang 1969 erstmals voll betroffen. Wer 1969 geboren wurde oder später, müsste bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Langjährig Versicherte, die 35 Versicherungsjahre aufweisen können, könnten jedoch schon mit 64 in Rente gehen, hätten aber Abschläge von 10,8 Prozent. Besonders langjährig Versicherte mit 45 Versicherungsjahren werden sogar mit 62 in den Ruhestand gehen können, hätten dann aber Abschläge von 18 Prozent.

Ich werde bald 65 Jahre alt und würde gern noch weiterarbeiten. Muss ich eigentlich in Rente gehen?

Nein, nach dem Sozialgesetzbuch sind Sie nicht verpflichtet, mit dem 65. Lebensjahr einen Rentenantrag zu stellen. Aber möglicherweise sehen Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen etwas anderes vor. Wenn Sie später in den Ruhestand wechseln, hat das natürlich Konsequenzen für Ihre Rente: Wer erst mit 66 in Rente geht, bekommt nach dem Sozialgesetzbuch einen Zuschlag von sechs Prozent (monatlich 0,5 Prozent). Und: Mit dem 65. Lebensjahr können Sie neben Ihrer Rente unbegrenzt hinzuverdienen.

Fragen und Antworten wurden zusammengestellt von Heike Jahberg.

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