Wirtschaft : MVS hängt am seidenen Faden

DANIEL RHEE-PIENING

Die Anleger, die ihr Geld im November 1995 in die Neuemission MVS investiert haben, sind wirklich zu bedauern. Der Kurs ist seitdem auf rund ein Drittel gesunken, nie wurde der Emissionpreis überschritten. Und auch die Mitarbeiter des Baudienstleisters sind nicht zu beneiden. Ihre Zahl hat sich allein im vergangenen Jahr um mehrere hundert vermindert. MVS steckt in der Schieflage. Die Strategie des Vorstands, in der Krise der Bauindustrie zu expandieren, ist nicht aufgegangen. Nun sitzt MVS auf Maschinen, die sich mehr schlecht als recht vermieten lassen, der ruinöse Preiskampf in der Vermieterbranche kostet das Unternehmen Millionen. Die Konzepte des Vorstandes, um aus den roten Zahlen zu kommen, sind wenig überzeugend. Der Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts Container war eine Notmaßnahme. Ohne die Erlöse daraus wäre der Weg zum Vergleichsverwalter nicht mehr weit gewesen. Zudem ist der Käufer der Sparte auch noch einer der Großaktionäre - die Hilfestellung kam aus dem Haus. Bleibt die Frage, ob ein Außenstehender den Bereich übernommen hätte. Der begonnene Verkauf der Baumaschinen riecht mehr nach einem Ausverkauf, als nach einem neuen Geschäftsfeld. Erst sammelt MVS Anlagevermögen, etwa bei der Übernahme der Maculan-Maschinen, nun wird abgegeben, was eben abgegeben werden kann, um stille Reserven zu heben. Und die Frage, warum ausgerechnet der Verkauf gebrauchter Baumaschinen in der Krise besseres Geld bringen soll als die Vermietung, bleibt ebenfalls unbeantwortet. All dies sind Aktivitäten, um Zeit zu gewinnen, bis die Baukonjunktur wieder anspringt. Doch das Heft halten die Gläubigerbanken in der Hand. Nur wenn sie die Zeit gewähren, wird MVS überleben.

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