Wirtschaft : Nabils Flucht

Tewe Pannier

Mein Partner Nabil hat es aus Beirut rausgeschafft. Wir sind wieder im Geschäft. Mit dem Libanon zwar vorläufig nicht, und die Flucht aus seiner Heimatstadt war gefährlich. Aber jetzt sitzen wir gemütlich in Düsseldorf am Medienhafen. Nabil hat eine Zigarre in der Hand und einen Pernod vor sich, mit viel Wasser.

Vorige Woche war er nach Beirut geflogen für einen Termin. Bomben und Raketen kamen dazwischen. Nabil saß fest und wollte schnell weg. „Bevor es zu spät ist“, sagte er am Telefon. Der Leuchtturm vor seinem Lieblingscafé liegt schon in Trümmern.

Von Sahle über den Bergen Beiruts mit einem syrischen Taxi durch die Beka- Ebene nach Damaskus. Die Fahrt kostet zehnmal so viel wie in friedlicheren Zeiten – per Vorkasse. Zweimal muss der Fahrer wegen Luftangriffen Umwege durch bewaldete Gebiete fahren. An der Grenze drängen sich Autos und Menschen. 50 Dollar stecken in jedem Pass, um ohne Probleme am Grenzer vorbeizukommen. Ein Cousin in Damaskus hat ein Reisebüro. Istanbul mit Turkish Airlines, dann Düsseldorf.

Jetzt ist er hier. Müde, abgebrannt, ausgebrannt. Nabil macht einen Witz nach dem anderen. „Mein Bruder ist Kriegsgewinnler. Er hat einen kanadischen Pass, die Botschaft hat ihn und seine Familie über Zypern nach Montreal geflogen – jetzt macht er da Urlaub.“ Oder, als es um den nächsten Termin geht: „Wollen wir uns nicht alle in Beirut treffen?“

Auf die Frage eines deutschen Geschäftspartners in Düsseldorf, ob er in Beirut Angst hatte, ob es gefährlich war, antwortet Nabil: „Ach was, ich bin in den letzten 30 Jahren schon 20 Mal gestorben. Da hat man keine Angst mehr.“ Ein tiefer Zug an der Havanna und wieder das laute Lachen – über dem Tisch. Unter dem Tisch wippen seine Beine. Das tun sie sonst nie, aber heute wippen sie. Immer wieder, ganz schnell, auf und ab.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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