Nach 111 Jahren : ADAC holt erstmals eine Frau ans Steuer

Der ADAC feiert die Emanzipation in der Geschäftsführung, der Vorsitzende Karl Obermair soll gehen. Damit will der Automobilclub seine Neuaufstellung in Gang bringen.

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Der ADAC stellte am Dienstag in seiner Zentrale in München den Abschlussbericht zur Manipulation am "Gelben Engel" vor.
Der ADAC stellte am Dienstag in seiner Zentrale in München den Abschlussbericht zur Manipulation am "Gelben Engel" vor.Foto: dpa

In der Geschäftsführung des ADAC soll künftig eine Frau sitzen. Was für Unternehmen und Verbände inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr ist, feierte der Autoclub am Dienstag in München als Zeitenwende. Die 44-jährige Marion Ebentheuer, bisher zuständig für die ADAC-Versicherungen, sei die erste Frau in der Geschäftsführung, "in der 111 Jahre alten Geschichte des ADAC", sagte der kommissarische Präsident des Clubs, August Markl.

Vom Vorsitzenden der Geschäftsführung, Karl Obermair, will sich der ADAC möglichst bald trennen. Markl zufolge strebt man eine einvernehmliche Trennung an. Gehen musste bereits Stephan Weßling, ein weiteres Mitglied der fünfköpfigen Geschäftsführung. Wie hoch die Abfindung für Weßling ausfällt, wollte Markl nicht sagen.

Nach dem Manipulationsskandal um den Autopreis "Gelber Engel" bemüht sich der ADAC um eine personelle Erneuerung. Wer Obermair als Geschäftsführer folgt, solle in den kommenden Wochen entschieden werden. Es werde noch nach einer „geeigneten Person“ gesucht, sagte Markl. Vor zwei Wochen war ADAC-Präsident Peter Meyer einer Amtsenthebung zuvorgekommen und zurückgetreten. An der Spitze des Clubs stehen die hauptamtliche Geschäftsführung und das ehrenamtliche Präsidium.

"Gelber Engel": Keine weitere Manipulation erkennbar

Zugleich stellte am Dienstag die Beratungsfirma Deloitte den dritten und abschließenden Teil ihrer Untersuchungen zu den Manipulationen vor. Demnach sind bei weiteren Kategorien zur Wahl des beliebtesten Autos der Deutschen keine Manipulationen erkennbar, wie Frank Marzluf von Deloitte feststellte.

Der ADAC hatte unter anderem Preise für die beliebteste Reiselimousine, das "Eco-Auto" oder das "Auto der Zukunft" verliehen. Allerdings kritisierte Marzluf, dass im Laufe von zehn Jahren die Bewertungskriterien für die einzelnen Kategorien geändert worden seien. Dadurch seien "Transparenz und Konsistenz" nicht gegeben gewesen.

"Die Aufstellung des ADAC ist nicht mehr zeitgemäß", sagte August Markl, der kommissarische Präsident des Clubs, am Dienstag in München.
"Die Aufstellung des ADAC ist nicht mehr zeitgemäß", sagte August Markl, der kommissarische Präsident des Clubs, am Dienstag in...Foto: dpa

"Tiefgreifende Reform" geplant

Vor einem Monat war bekannt geworden, dass der ehemalige ADAC- Kommunikationschef Michael Ramstetter die Wählerstimmen für den "Gelben Engel" um das Zehnfache nach oben korrigiert und die Reihenfolge der Preisträger verändert hatte. Deloitte konnte mit Ramstetter selbst nicht sprechen, einen Tag vor einem vereinbarten Termin habe er sich krankgemeldet. Der ADAC bereitet Arbeits- und zivilrechtliche Schritte gegen ihn vor. Über Ramstetters Motivation sagt August Markl: "Er wollte Markenvielfalt herstellen und Aufmerksamkeit auf sich und seine Veranstaltung lenken." Die Ergebnisse waren so manipuliert worden, dass die deutschen Autobauer unter den Bestplatzierten landeten.

Über die Zukunft und die Neuausrichtung des ADAC machte Markl wenige Angaben. "Die Aufstellung des ADAC ist nicht mehr zeitgemäß", sagte er. "Eine tiefgreifende Reform beginnt jetzt", für Ergebnisse sei es aber noch zu früh. In den vergangenen Tagen seien Arbeitsgruppen gebildet worden, bei der Hauptversammlung Mitte Mai sollen "erste sichtbare Ergebnisse vorliegen". Über die geforderte Aufteilung des ADAC und die Trennung von kommerziellen Sparten und Pannenhilfe sei, so Markl, im Präsidium noch nicht gesprochen worden.

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