Wirtschaft : Nach 167 Jahren droht die Pleite

Druckmaschinenhersteller Manroland meldet Insolvenz an. 6500 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.

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Ein schwarzer Freitag. In Betriebsversammlungen wurden die Mitarbeiter in Augsburg, Offenbach und Plauen über den Insolvenzantrag informiert. Foto: dapd
Ein schwarzer Freitag. In Betriebsversammlungen wurden die Mitarbeiter in Augsburg, Offenbach und Plauen über den Insolvenzantrag...Foto: dapd

München - Es ist die größte Pleite in Deutschland seit der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor: Am Freitag hat der angeschlagene Druckmaschinenhersteller Manroland beim Amtsgericht in Augsburg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Zuvor seien die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor auf der Zielgerade gescheitert, teilte das Unternehmen mit. Am Mittag wurde die Belegschaft von den beiden Eigentümern Allianz und MAN informiert. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Augsburger Wirtschaftsprüfer Werner Schneider bestimmt.

„Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat“, teilte Manroland mit. Infolge der Finanzkrise hätten die Kunden immer größere Schwierigkeiten sich zu finanzieren. Zugleich habe der Preisdruck wegen des immer schärferen Wettbewerbs zugenommen. „Die Marktgröße liegt bei nur noch 50 Prozent des Niveaus vor Beginn der Krise 2008“, berichtete Manroland. Im Sommer habe sich das Marktumfeld erneut abgeschwächt. Betroffen sei die gesamte Branche, was in dieser Dramatik nicht vorhersehbar gewesen sei.

Nun bangen rund 6500 Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze. In Deutschland arbeiten 5000 Mitarbeiter für das 167 Jahre alte Unternehmen. Wegen der schwachen Auftragslage hat der Konzern im Oktober die Arbeitszeiten am Stammsitz in Offenbach verkürzt. In Augsburg und Plauen wird bereits seit März 2009 kürzer gearbeitet.

Manroland ist neben Heidelberger Druckmaschinen und Koenig & Bauer einer von drei großen Druckmaschinenherstellern in Deutschland. Die drei gelten als Weltmarktführer in dieser Branche. Dabei ist Manroland nach eigenen Angaben weltweit die Nummer eins für Rollenoffset-Maschinen. Seit längerem haben die Eigentümer Allianz Capital Partners (75 Prozent der Anteile) und MAN (25 Prozent) nach einem Käufer für das kriselnde Unternehmen gesucht – ohne Erfolg. Der Münchner Lkw-Bauer MAN hatte die Mehrheit an dem Druckmaschinenhersteller (damals noch MAN Roland) 2006 an Allianz Capital Partners verkauft. Hoffnungen auf einen baldigen Börsengang oder den schnellen Verkauf musste der Finanzinvestor bald begraben. Seit dem Einstieg hat sich der Umsatz von Manroland halbiert, seit 2009 schreibt das Unternehmen auch operativ Verluste. 2010 lag das Minus bei 66 Millionen Euro bei einem Umsatz von 942 Millionen Euro.

Konkurrent Heidelberger Druckmaschinen hatte nach vierjähriger Verlustserie sein Jahresziel am 8. November aufgegeben und erklärt, dass rund die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland kürzer arbeiten. Auch hier droht wohl erneut ein Personalabbau. Das Unternehmen mit noch knapp 16 000 Beschäftigten soll erneut nach Einsparmöglichkeiten durchsucht werden. „Wir schließen nichts aus“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier, der bei Heideldruck seit 2008 bereits jede fünfte Stelle gestrichen hat.

Nun strebt der Vorstand von Manroland eine Sanierung in Eigenverwaltung an und versteht das eingeleitete Insolvenzverfahren als Möglichkeit, den Restrukturierungsprozess weiter zu forcieren. „Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen“, hieß es. Das Augsburger Amtsgericht ließ offen, ob es dem Antrag auf Eigenverwaltung zustimmt.

Die IG Metall Bayern forderte Allianz, MAN und Bayerns Staatsregierung auf, sich gemeinsam für den Erhalt von Manroland einzusetzen. „Ein Unternehmen mit über 160-jähriger Geschichte und tausenden hochqualifizierten Beschäftigten kann man nicht einfach abschreiben“, sagte der bayrische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. „Wir wollen, dass sich alle so schnell wie möglich an einen Tisch setzen – Gesellschafter und Management, Interessenvertretung und IG Metall, Staatskanzlei und Wirtschaftsministerium.“ Er forderte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FPD) auf, sich persönlich für den Erhalt der Standorte und Arbeitsplätze einzusetzen: „Wir erwarten, dass Sie nach Augsburg kommen, um mit Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall über Lösungen zu sprechen.“ mit AFP/rtr

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