Nach Anschlag in Tunis : Kreuzfahrtschiffe legen vorerst nicht mehr in Tunis an

Internationale Reiseveranstalter sagen Ausflüge nach dem Anschlag im Nationalmuseum von Tunis ab. Auch deutsche Touristikunternehmen streichen Tunesien vorerst von ihrer Liste. Das Auswärtige Amt rät aber nicht generell von Reisen in das Land ab.

Nach dem Terroranschlag sagen viele Reiseveranstalter ihre Tunesien-Reisen ab.
Nach dem Terroranschlag sagen viele Reiseveranstalter ihre Tunesien-Reisen ab.Foto: AFP

Die italienischen Kreuzfahrtunternehmen MSC und Costa Crociere legen mit ihren Schiffen vorerst nicht mehr in Tunis an. Sie zogen damit die Konsequenzen aus dem Anschlag am Mittwoch auf das Nationalmuseum in der tunesischen Hauptstadt, wie beide am Donnerstag mitteilten. Auch deutsche Reiseveranstalter wollen bei Tunesien-Reisen vorerst auf Ausflüge nach Tunis verzichten.

Das Unternehmen MSC teilte auf seiner Website mit, Tunis werde "mit sofortiger Wirkung" aus dem Programm für Landausflüge gestrichen. Bei für den April geplanten Reisen werde stattdessen in Malta, Mallorca oder Sardinien zusätzlich angelegt. "Die Sicherheit der Passagiere und der Besatzung hat Vorrang", hieß es zur Begründung. Costa Crociere teilte in Rom mit, Tunis werde vorerst für die nächsten drei geplanten Kreuzfahrten aus dem Programm genommen.

Bei dem Anschlag waren nach jüngsten Angaben der tunesischen Behörden mindestens 21 Menschen getötet worden, darunter 20 Ausländer. Unter den Toten sind nach MSC-Angaben auch neun Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "MSC Splendida", zwölf weitere wurden verletzt. Der Verbleib von sechs weiteren MSC-Touristen war demnach bis zur Abreise des Schiffes am Donnerstag noch unklar.

Costa teilte mit, 13 seiner Passagiere seien nicht wie geplant auf das Schiff "Costa Fascinosa" zurückgekehrt, ehe dieses in der Nacht zum Donnerstag den Hafen von Tunis wieder verließ. Wie viele davon getötet oder verletzt wurden, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Italienischen Medienberichten zufolge sollen aber auch Costa-Passagiere unter den Todesopfern sein.

Auch deutsche Urlauber betroffen

Costa schickte nach Unternehmensangaben ein Hilfsteam nach Tunis, die sich um von dem Anschlag betroffene Passagiere kümmern sollten. Auch auf beiden Kreuzfahrtschiffen wurde nach den jeweiligen Unternehmensangaben eine psychologische Betreuung angeboten.


Deutsche Reiseveranstalter wollen nach Angaben des Branchenverbands Deutscher Reiseverband (DRV) zunächst Ausflüge nach Tunis aussetzen, bis die Entwicklung der Lage besser abzuschätzen ist. Das sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Berlin. Weitere Auswirkungen auf den touristischen Betrieb seien dem DRV nicht bekannt. In Tunesien hat die Haupturlaubssaison demnach noch nicht begonnen. Geprägt ist der Markt dort durch Club-Urlaube in Ferienanlagen an der Küste. Es gibt aber auch Kultur- und Rundreisen.
Das Auswärtige Amt änderte seine Reisehinweise für das Land vorerst nicht grundsätzlich. Es wies im Internet nur in allgemeiner Form auf den Anschlag hin und riet dazu, den Bereich um das Museum generell zu meiden und Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.

Anschläge in westlichen Ländern seit 2012.
Anschläge in westlichen Ländern seit 2012.Foto: AFP


Zudem mahnt das Auswärtige Amt bei Reisen in Tunesien seit längerem zur Umsicht wegen möglicher Anschläge. In einigen Teilen des Landes besteht demnach auch das Risiko von Entführungen und Kämpfen, vor allem in Wüstengebieten im Süden und Südwesten, im Grenzgebiet zu Libyen und Algerien sowie generell abseits der Hauptstraßen und nach Einbruch der Dunkelheit. Von Reisen in die Touristengebiete an der Mittelmeerküste wird aber nicht abgeraten. (AFP)

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