Wirtschaft : Nach Chinas Neujahr bleiben viele Stühle leer

Asienkrise fordert ihre Opfer

HONGKONG (sz/HB).Der Einbruch am Hongkonger Aktienmarkt fordert jetzt Opfer in den Makler- und Finanzhäusern.Vor dem chinesischen Neujahr, das am Montag die Geschäfte in der chinesischen Welt (China, Hongkong, Taiwan und Singapur) für rund zehn Tage zum Erliegen bringt, haben zahlreiche Firmen Kündigungen ausgesprochen. Nach dem Urlaub müssen viele Strategen und Analysten, Händler und Manager Anfang Februar gar nicht mehr antreten.Bonuszahlungen fallen aus, Gehaltskürzungen wurden angekündigt.1700 Stellen gingen allein durch den Peregrine-Zusammenbruch verloren.Gegenwärtig verhandelt das Management über den Verkauf des Kern-Wertpapiergeschäftes nicht nur mit europäischen und amerikanischen Banken, auch die Bank of China (BOC) ist offenbar interessiert.Das Personal in Wartestellung sieht den möglichen Einstieg der Festlands-Chinesen mit Skepsis: Für die Chinesen möchte kaum jemand aus dem erfolgreichen Peregrine-Wertpapier- und Finanzteam arbeiten.Aber andere Stellen sind knapp.Fusionen beschleunigen den Stellenabbau. Der Zusammenschluß der Geschäftsaktivitäten in Asien zwischen der Union Bank of Switzerland (UBS) und der Swiss Bank Corp.(SBC) dürfte Hunderte von Stellen kosten: UBS und SBC Warburg beschäftigen 5000 Leute in Asien.BZW Asia hat Geschäftsteile an Credit Suisse Boston verkauft und entließ gleich 75 Makler und Manager.Auch Schroder Securities Asia fährt das Asien-Geschäft herunter: 220 Investment-Banker und Makler wurden entlassen.W.I.Carr Securities entließt 20 Prozent des Personals; Blaue Briefe gab es auch bei Deutsche Morgan Grenfell und anderen Häusern."Die Entlassungen kommen einigen Firmen gelegen", sagt Salim Chaar, früher Chef von Indosuez-Investment Services, der jetzt für eine belgische Bank eine Vermögensverwaltung in Hongkong aufbaut und wohl einer der wenigen ist, der Personal anheuert. Im Hongkonger Wertpapiergarten wird also ordentlich gejätet.Credit Lyonnais Asia, zu 35 Prozent im Besitz des Managements, hat Gehaltskürzungen von 15 bis 20 Prozent verordnet und das Reisebudget gekürzt.Die Sparmaßnahmen spüren auch asiatische Airlines.Auf Streêken wie Hongkong-Bangkok oder Hongkong-Seoul sind First und Business Class gähnend leer.Zudem sind Buchungen von Hotels und Restaurants, die von Kunden auf Spesenrechnung aufgesucht werden, drastisch zurückgegangen.Entlassungen können in Hongkong leicht ausgesprochen werden: Wie in den USA müssen Entlassene sofort gehen und erhalten allenfalls drei Monatsgehälter.

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