Nach "Concordia"-Unglück : Kreuzfahrtbranche wähnt sich weiter auf großer Fahrt

Die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia hat keine Auswirkungen auf die Buchungen – bislang.

Anna-Sophie Sieben
Begehrte Lage. Die Passagierzahlen bei Seereisen steigen weltweit.
Begehrte Lage. Die Passagierzahlen bei Seereisen steigen weltweit.Foto: dpa

Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia ist mit rund 4.500 Menschen an Bord auf Grund gelaufen und droht zu sinken, es gibt Tote und Verletzte. Das Unglück kommt zu einem Zeitpunkt, da die Kreuzfahrtbranche boomt. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Passagierzahlen auf dem europäischen Markt verdreifacht. 2010 wuchs der europäische Kreuzfahrtmarkt um zehn, in Deutschland sogar um 20 Prozent. Für 2011 rechnet der europäische Kreuzfahrtverband European Cruise Council mit ähnlichen Zahlen. Damit sind Seereisen das schnellstwachsende Touristiksegment.

Trotz des Unglücks im Mittelmeer ist ein Ende des Kreuzfahrt-Booms derzeit nicht in Sicht. „Das Hauptthema für die Kunden bleibt immer das Preis-Leistungsverhältnis“, sagt Alexis Papathanassis, Professor für Kreuzfahrtmanagement an der Universität Bremerhaven. Kreuzfahrten seien für viele eine interessante Alternative zum Landurlaub und das Gedächtnis von Urlaubern sei oft kurz.

Das scheint sich bislang zu bewahrheiten. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes hat es weder eine Stornierungswelle gegeben noch einen Rückgang der Buchungen. Man müsse erst einmal die Situation beobachten, bevor Aussagen zu den Auswirkungen und Konsequenzen des Unglücks getroffen werden können, hieß es beim Kreuzfahrtunternehmen Hapag Lloyd. Ähnlich äußert sich der deutsche Marktführer Aida, der wie die Unglücksreederei Costa zum Imperium des Kreuzfahrtspezialisten Carnival gehört.

Das Kreuzfahrt-Unglück vor der Toskana
Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
1 von 86Foto: Reuters
12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Die Hamburger Tui-Reederei registrierte vereinzelt Anfragen nach Stornierungen, aber die Zahlen scheinen das Unternehmen bislang wenig zu beunruhigen. Immerhin sollen die Übungen zur Seenotrettung, die bislang immer am ersten Morgen der Reise stattfanden, nun schon am Anreisetag gemacht werden.

Doch das werden wohl nicht die einzigen Konsequenzen bleiben, sagt Papathanassis. Die Unternehmen würden überprüfen müssen, inwiefern die Sicherheitskonzepte für die Megaschiffe greifen. Auch die Kommunikation sei verbesserungswürdig. „Das Unglück alleine wird den Ruf der Branche nicht ruinieren“, sagt er. Langfristig könne das Image der Branche dennoch Schaden nehmen, fürchtet der Kreuzfahrtexperte.

Wie jede Wachstumsbranche stehe die Kreuzfahrt derzeit unter Beobachtung. „Kürzlich gab es eine Debatte zur Umweltfreundlichkeit von Kreuzfahrtschiffen, demnächst wird es wahrscheinlich mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Angestellten an Bord weitergehen. Hinzukommen immer wieder Meldungen von Vergiftungen, Unfällen, Feuer oder Kriminalität an Bord.“

Doch unabhängig davon, wie stark die Branche insgesamt betroffen ist, die Havarie des sechs Jahre alten Kreuzers kommt den Costa-Mutterkonzern Carnival teuer zu stehen: Noch ist nicht klar, ob das 450 Millionen US-Dollar teure Schiff gerettet werden kann. Der Konzern rechnet damit, dass das Schiff mindestens bis Ende des laufenden Geschäftsjahres am 30. November außer Betrieb sein wird. Den Verlust daraus schätzt Carnival auf mindestens 85 Millionen Dollar. Obwohl der Großteil des Schadens versichert ist, muss das Unternehmen eine Selbstbeteiligung von rund 40 Millionen Dollar stemmen. „Zusätzlich rechnet die Firma mit weiteren Kosten, die aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beziffern sind“, heißt es vonseiten Carnivals.

Die amerikanische Firma Carnival ist Weltmarktführer in der Kreuzfahrtbranche. Nach Firmenangaben umfasst die Flotte 101 Schiffe, fast 20 Prozent aller Kreuzfahrtschiffe. Mit 8,5 Millionen Passagieren hat der Konzern einen Marktanteil von 45 Prozent.

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