Nach dem Abi ins Ausland : Auf Wiedersehen

Es gibt viele Wege, die ins Ausland führen. Was alles möglich ist – und worauf man bei der Planung achten sollte.

Benjamin Haerdle
Mehr als Verreisen. Aufenthalte in der Ferne fördern die Persönlichkeitsentwicklung, füllen Wartesemester – und verbessern die Karrierechancen.
Mehr als Verreisen. Aufenthalte in der Ferne fördern die Persönlichkeitsentwicklung, füllen Wartesemester – und verbessern die...Foto: olly Fotolia

Für Abiturienten beginnt nach der Schule ein neuer Lebensabschnitt: Ausbildung, Studium oder erst einmal eine Auszeit, das ist für viele die Frage. Und nicht nur um Wartezeiten zu überbrücken, zieht es viele ins Ausland. Sie brechen dorthin auf, um Erfahrungen zu sammeln und andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Möglich ist das etwa mit Freiwilligendiensten, Work & Travel oder einem Praktikum. Doch nicht für jeden ist das das Richtige. Ein Überblick.

Freiwilligendienste - den richtigen finden

Die Vielfalt ist enorm: In Alten- und Pflegeheimen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Gedenk- und Bildungsstätten, auf Biobauernhöfen oder in Naturschutzorganisationen sind freiwillige Mitarbeiter gesucht, die sich sozial oder ökologisch engagieren wollen.

Vorkenntnisse sind oft nicht notwendig; Motivation, Engagement und Interesse an anderen Kulturen sind wichtiger. Außerdem sollten Bewerber mindestens 18 Jahre alt sein. Die Dauer eines Einsatzes ist variabel und hängt auch vom Einsatzort ab. Wer nur wenige Wochen Zeit hat, für den sind internationale Workcamps und die organisierte Arbeit auf Biobauernhöfen (WWOOFen) das Passende. In den Camps pflegen Freiwillige im Sommer Kriegsgräber, sanieren Schlösser oder unterrichten Englisch in Afrika. Lohn gibt es dafür keinen, Reisekosten müssen die Teilnehmer selbst übernehmen. Dafür sind Unterkunft und Verpflegung meist kostenlos. Bei den Ökobetrieben wird der Lohn in der Regel mit Kost und Logis verrechnet.

Wer mindestens ein halbes Jahr unterwegs sein will, ist beim Langzeitfreiwilligendienst gut aufgehoben. Gesetzlich geregelte Programme gibt es reichlich, etwa den Europäischen Freiwilligendienst, den Internationalen Jugendfreiwilligendienst oder den Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Weltwärts.

Das Bundesjugendministerium vermittelt zudem ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr im Ausland. Der Vorteil: „Die Stellen werden gefördert, und das Kindergeld läuft im Unterschied zu Work & Travel sowie bei nicht gesetzlich geregelten Freiwilligendiensten weiter“, sagt Robert Helm-Pleuger, der das EU-Informationsnetzwerk Eurodesk koordiniert. Da Plätze aber sehr begehrt seien, sollte man bei der Wahl des Landes und der Arbeit flexibel sein. „Großbritannien, Frankreich oder Spanien sind hoffnungslos überlaufen, weil deren Sprachen europaweit stark nachgefragt sind“, sagt der Berater. Im besten Fall sollten sich Interessierte ein Jahr vor der geplanten Reise um die Bewerbung kümmern.

Auch private Agenturen bieten Freiwilligendienste an, doch das kostet. Helm-Pleuger rät davon ab: „Es fehlt die pädagogische Begleitung in Form von Seminaren.“ Zudem sei der Einsatz oft fragwürdig, etwa wenn alle vier Wochen der Betreuer in einem Kinderheim wechsle.

Michael Harms, Büroleiter bei Projects abroad, einem privaten Freiwilligendienst-Anbieter, sagt: „Wer sich nicht einem starren Bewerbungsprozedere unterziehen möchte, sondern flexibel und kurzfristig etwas sucht, ist bei uns richtig.“ In 29 Staaten bietet Projects abroad Projekte an. Mitarbeiter vor Ort würden individuelle Wünsche erfüllen, falls ein Teilnehmer spontan eine andere Aufgabe übernehmen möchte.

Work & Travel

Kiwis pflücken in Neuseeland, Schafe scheren in Australien oder Kellnern in Kanada – das sind Klassiker der Work & Travel-Programme, von denen viele Schüler träumen. Investieren müssen sie dafür in Flug, Visum und Versicherungen. Der Lohn fließt zumeist in Unterbringung und Essen. Ermöglichen können sich Abiturienten den Auslandsjob auf zwei Wegen. Wer Erfahrung im Ausland besitzt, kann sich selbst von Deutschland aus einen Platz suchen, sagt Helm-Pleuger von Eurodesk. Einmal vor Ort, ist der Austausch unter den Jobbern in den Hostels groß, so dass Tipps, etwa für gute Farmen, rasch die Runde machen.

Besser bei Vermittlungsagenturen aufgehoben ist dagegen, wer noch nie länger im Ausland war und lieber auf Nummer sicher gehen will. Die Gebühren schwanken stark, deshalb sollte man genau prüfen, was die Agenturen leisten. Was passiert bei Problemen vor Ort? Sind lokale Ansprechpartner da? Gibt es eine Absicherung im Unglücksfall? Gute Agenturen sollten darauf passende Antworten haben.

Ratsam ist auch ein Preisvergleich. 2000 Euro für Flug, Auslandsreiseversicherung und Visum plus die Gebühren seien üblich, sagt Heike Stoof-Sasse von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit (ZAV). Um vor Ort nicht als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, sollte man Erfahrungsberichte im Internet lesen oder auch die Höhe von Löhnen recherchieren. Australien beispielsweise ist finanziell attraktiv. Dort erhalten 21-Jährige als Mindestlohn 11,88 Euro, sagt Stoof-Sasse.

Praktikum oder Job?

Wer weiß, was er studieren will, und mit dem Gedanken spielt, vor dem Start an der Uni noch ein Praktikum zu absolvieren, sollte sich das gut überlegen. Experten jedenfalls raten davon ab. „Ein Abiturient ist in der Regel ungeeignet, weil er keine interkulturelle Kompetenz und lediglich Schulsprachkompetenz vorweisen kann“, sagt Helm-Pleuger von Eurodesk. Zudem fehlten berufliche Fähigkeiten. Die Folge: „Praktikanten landen häufig am Kopierer, weil sie nicht anders eingesetzt werden können“, sagt er und rät deshalb, ein Praktikum erst während des Studiums zu machen.

Auch die ZAV-Beraterin Stoof-Sasse ist kritisch: „Der Begriff Praktikum wird in vielen Ländern anders verstanden als hierzulande“, sagt sie. In Spanien oder Griechenland könne das ein Saison- oder Ferienjob sein, in Frankreich eine normale befristete Arbeitsstelle, die der Arbeitgeber regulär bezahlen müsse. Deshalb bieten viele Unternehmen keine Praktikantenstellen an. Stoof-Sasse rät, statt eines Praktikums europaweit einen normalen Job zu suchen, etwa im Hotelgewerbe oder im Verkauf. „Dabei verdient man Geld, und man eignet sich auch soziale Kompetenzen an.“

Eine gute Übersicht bietet: www.rausvonzuhaus.de. Die Broschüre „Wege ins Ausland“ kann man sich beim IjAB herunterladen: www.ijab.de. Workcamps stehen unter: www.workcamps.de. Biobauernhöfe findet man unter: www.wwoof.org. Geförderte Freiwilligendienste sind: www.weltwaerts.de, www.kulturweit.de, www.go4europe.de, www.foej.de, www.pro-fsj.de.

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