Wirtschaft : Nach dem Ausscheiden der KLM steht nun die Deutsche Lufthansa in dubiosem Licht da

Werner Raith

Die Geschichte will kein Ende nehmen: Italiens noch immer nicht fertiger Superflugplatz "Malpensa 2000" im Nordwesten von Mailand entwickelt sich immer mehr zum Skandalobjekt. Nachdem vor einer Woche die niederländische KLM die für Anfang Mai vorgesehene Fusion mit der Alitalia aufgekündigt und die umgerechnet 200 Millionen Mark Vorschuß für den Bau des Flughafens zurückgefordert hat, steht nun die Deutsche Lufthansa in dubiosem Licht da. Sie hatte in den vergangenen Monaten den Protest der ausländischen Gesellschaften gegen die Bevorzugung der Alitalia beim "Umzug" vom bisherigen Flughafen Linate nach Malpsensa angeführt und dabei sogar die EU-Wettberwerbskommission auf ihre Seite gebracht. Am morgigen Freitag sollte ein von der Kommission bei der Bewertungsgesellschaft SH & E in Auftrag gegebenes Gutachten über die Tauglichkeit des Flughafens vorgelegt werden. Doch nun stellt sich heraus, dass die Lufhansa 49 Prozent an SH & E hält. Die EU-Kommission hat daraufhin den Auftrag sofort storniert. Zwar seien weder in den Aufsichtsgremien noch in der Leitung der SH & E Lufthansa-Gesandte tätig, aber "die Firma hätte uns vor Übernahme des Auftrags über die Eigentumsverhältnisse in ihrem Hause informieren müssen", so die Kommission. Lufthansa und SH&E wenden ein, dass die Firma seit langer Zeit als Beraterfirma der EU-Kommission tätig sei und die Lufthansa erst lange nach der Zulassung von SH & E in Brüssel in das Unternehmen eingestiegen sei.

Doch die Affäre Alitalia wird in Italien inzwischen immer höher gehängt. Ministerpräsident Amato hat in seiner Regierungserklärung die Suche nach einem neuen Partner zur Chefsache erklärt. Womit er freilich unfreiwillig die wichtigsten Begründung der Niederländer für die "Scheidung" bekräftigte, nämlich den immer noch viel zu großen Einfluß des Staates bei der nominell privatisierten Fluggesellschaft. Allerdings scheint es so, als hätte Alitalia den Beistand der Regierung bitter nötig - sie möchte nämlich die von der KLM zurückgeforderten 200 Millionen Mark ganz und gar nicht herausrücken. Vermutungen, sie hätte so viel Geld auch gar nicht zur Verfügung, begegnet Vorstandssprecher Domenico Cempella mit dem Hinweis, man werde den Betrag "bis zum Abschluß eines eventuellen Prozesses selbstverständlich auf ein internationales Treuhand-Konto überweisen". Doch Cempella kann viel versprechen. Beobachter erwarten seine Ablösung schon in den kommenden Wochen.

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