Wirtschaft : Nach dem EU-Gipfel: Devisenmärkte reagieren auf Nizza verhalten

Die internationalen Devisenmärkte haben am Montag zurückhaltend bis enttäuscht auf die Einigung beim EU-Gipfel in Nizza reagiert und dies in einem leicht gesunkenen Euro-Kurs dokumentiert. Die Gemeinschaftswährung für elf EU-Staaten verharrte in Tokio und London zunächst über 0,88 Dollar, gab dann aber am Nachmittag in London auf 0,8792 Dollar je Euro nach. Ein Dollar war dabei 2,2246 Mark wert. Unter den Marktteilnehmern habe sich nach anfänglicher Unsicherheit die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Ergebnisse von Nizza zu spärlich seien, berichtete ein Analyst. Die Europäische Zentralbank (EZB) errechnete einen Wechselkurs von 0,8804 Dollar für den Euro und bewertete einen Dollar mit 2,2215 Mark.

"Die europäischen Verhandlungspartner haben es nicht geschafft, die Frage nationaler Vetorechte zu regeln, obwohl es jede Menge Neuzugänge geben wird. Das wird künftige Entscheidungsfindungsprozesse sehr erschweren", erläuterte Michael Klawitter von der Westdeutschen Landesbank in London seine Bedenken. Zwar habe niemand ernsthaft große Fortschritte erwartet, die erzielten Verhandlungsergebnisse seien nun aber doch recht dünn: "Sie sind weder mittel- noch langfristig ermutigend für den Euro", monierte Klawitter. Analysten in Tokio hingegen sorgten sich mehr über Anzeichen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA als über die möglichen Auswirkungen der Gipfelbeschlüsse zur EU-Reform.

"Der große Wurf ist es nicht, denn zum Teil sind nur faule Kompromisse erreicht worden", kommentierte Hans Jäckel, Volkswirt bei der DG-Bank in Frankfurt den EU-Gipfel. Das Abstimmungsverfahren sei ungeachtet der in einigen Bereichen abgeschafften Veto-Rechte komplizierter geworden. "Die Handlungsfähigkeit der Union wurde nicht ausreichend gestärkt", sagte Jäckel. Vor dem Gipfel hatten Analysten erklärt, nur eine umfassende Einigung in Fragen des Abstimmungverfahrens - vor allem im sensiblen Bereich der Steuergesetzgebung - könne dem Euro langfristig Kursgewinne bescheren. Da es in Nizza zu diesem Thema und in anderen Fragen kein klares Ergebnis gegeben habe, seien auch keine Konsequenzen für die Position des Euro-Raums zu erwarten. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich in Nizza nach kontroversen Diskussionen auf ein Reformpaket geeinigt. Bei der Ausweitung der Mehrheitsentscheidungen konnten sie sich in wichtigen Politikbereichen wie der Steuer- und Sozialpolitik allerdings nicht auf eine Streichung des nationalen Vetorechts einigen.

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