Wirtschaft : Nach dem Rover-Ausstieg kommt der Optimismus zurück

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Die Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, München, richtet nach dem Scheitern bei ihrer britischen Tochter Rover den Blick nach vorne. Dabei ruhen die Hoffnungen neben Ergebnisverbesserungen im laufenden Jahr auf einer neuen "Kernmarkenstrategie" um das Stammhaus BMW, sagte BMW-Chef Joachim Milberg zur Bilanzvorlage in München. Binnen vier Jahren werde ein "kleiner BMW" unterhalb der jetzigen 3-er Reihe präsentiert, dessen Stückzahlen "deutlich über" denen des 3-er Compact-Modells liegen sollen. Davon wurden laut BMW im Vorjahr rund 50 000 Einheiten verkauft.

Der Preis des neuen Mittelklassewagens, der über dem VW Golf angesiedelt werde, soll unter dem ab rund 35 000 Mark erhältlichen Compact liegen, kündigte Milberg an. Produktionsstandort und Investitionsumfang seien noch offen. BMW werde das neue Modell eigenständig und ohne Hilfe eines Konkurrenten bauen. Mit dem Einstieg in dieses global hart umkämpfte Segment will BMW die Angebotslücke schließen, die durch den binnen sechs bis acht Wochen beabsichtigten Verkauf der Marke Rover an die britische Wagniskapitalgesellschaft Alchemy gerissen wird. Auch die zweite Lücke, die durch die bis Mitte 2000 folgende Abgabe der Marke Land Rover an den US-Autobauer Ford droht, will Milberg aus eigener Kraft überbrücken. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der neue BMW-Geländewagen X5, von dem dieses Jahr knapp 40 000 Stück verkauft werden sollen, zum Stammvater einer ganzen Modellfamilie reife.

Ergänzt werde diese vom Rover-Debakel erzwungene Konzentration auf die Stammmarke BMW durch verbleibenende Restaktivitäten in Großbritannien. Ab Frühsommer 2001 werde im dortigen Werk Oxford ein neuer Kleinwagen der Marke Mini vom Band rollen und Gewinne einfahren. Zwei Jahre später soll ebenfalls auf der britischen Insel ein neues Modell der Luxusmarke Rolls-Royce gebaut werden. Das runde die Marke BMW nach oben und unten ab, sagte Milberg. Eine Gefahr für die Eigenständigkeit des weiß-blauen Konzerns sieht er weiter nicht. Auch ohne die Marken Rover und Land Rover habe BMW mit einem Konzernumsatz von rund 55 Milliarden Mark eine "kritische Größe überschritten". BMW werde nicht verkauft. Größe allein sei trotz zunehmender Konzentration in der Kfz-Industrie nicht die Basis für Erfolg. Zu diesem wollen die Münchner zumindest in Teilen schon 2000 wieder zurückfinden. Der Jahresüberschuss werde dieses Jahr "deutlich über" den 1,3 Milliarden Mark liegen, die der Konzern 1999 vorbehaltlich außerordentlicher Verluste durch Rover, verbucht hat. Eine Wertberichtigung von 6,2 Milliarden Mark für die britische Tochter hatte BMW im Vorjahr einen Fehlbetrag von knapp fünf Milliarden Mark beschert. Bis zum Verkauf von Rover und der ebenfalls defizitären Marke Land Rover dürfte der Ausflug auf die britische Insel BMW netto rund neun Milliarden Mark gekostet haben, schätzte Panke. Für 2000 erwartet er durch die Briten nun keine außerordentlichen Belastungen mehr. Nur die operativen Rover-Verluste müsse BMW bis zum Verkauf an Alchemy noch zeitanteilig übernehmen.

Im Schatten der Rover-Krise konnte der Münchner Konzern im Vorjahr einen um gut sechs Prozent auf 67 Milliarden Mark gestiegenen Rekordumsatz verbuchen. Die Verkäufe wurden mit 1,18 Millionen Einheiten insgesamt knapp gehalten, wobei die Marke BMW eine neuerliche Rekordrunde drehen konnte, der Rover-Absatz aber um ein Viertel eingebrochen war.

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