Wirtschaft : Nach den Ost-Paketen kam der große Zoff

EBERHARD LÖBLICH

MAGDEBURG .Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Konrad Keller (SPD) hat die Flucht nach vorn angetreten.Bis Ende des Jahres sollen 49,9 Prozent der Gesellschafteranteile an der durch die Kampagne "Ostpakete für den Westen" bekanntgewordenen Agrarmarketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) privatisiert sein.Und auch das soll nur ein erster Schritt sein, sagt er.Wenn sich die neue Eigentumskonstellation bewähre, wolle sich das Land auch von weiteren Anteilen an der AMG trennen.

Vielleicht läuft die Marketing-Gesellschaft in privater Regie besser.Denn der vor einigen Wochen aus dem Amt geschiedene AMG-Geschäftsführer Diethard Henning hatte moniert, daß durch die Ministerialbürokratie dringend benötigte Gelder für längst geplante Marketingmaßnahmen der AMG nicht freigegeben worden sind, die Gesellschaft ihre erfolgreiche Marketingarbeit nicht habe fortsetzen können und sich voll und ganz auf die Unterstützung der landwirtschaftlichen Erzeuger habe konzentrieren müssen.Eine Entwicklung, die Aktivitäten der AMG stärker als vorher in Richtung Landwirtschaft zu drängen, war von den Unternehmen der Ernährungsindustrie schon in der vergangenen Legislaturperiode unter der bündnisgrünen Ministerin Heidrun Heidecke beobachtet und zunehmend kritisiert worden.Keller war seinerzeit deren Staatssekretär, hatte eine solche Entwicklung also auch schon vor seiner Berufung ins Ministeramt mitzuverantworten.

"Letztlich entspricht das aber dem im Gesellschaftervertrag definierten Unternehmenszweck der AMG", sagt der Minister.Dieser Konflikt belastet das Verhältnis zwischen der Landesbürokratie einerseits und dem kreativen Personal der AMG.Das habe seine Berufung eher im Marketing für Industrieprodukte als für landwirtschaftliche Erzeugnisse gesehen.Selbst der Landesrechnungshof habe schon böse mit dem Finger gedroht, sagt Keller, dem Land sei nichts übrig geblieben als die Zügel anzuziehen.Mit der Teilprivatisierung der AMG sollen landwirtschaftliche Erzeuger und die Unternehmen der Ernährungsindustrie Sachsen-Anhalts miteinander versöhnt werden.

Die 49,9 Prozent, die das Land zunächst abgeben will, sollen je zur Hälfte an Landwirtschaft und Industrie gehen.Ziel sei die Privatisierung der stimmberechtigten Mehrheitsanteile und damit die vollständige Befreiung der AMG vom öffentlichen Haushaltsrecht."Dann kann die AMG auch Aufträge Dritter annehmen und die Erlöse aus diesen Aufträgen wiederum in neue Marketingstrategien stecken", sagt Keller.

Auch wenn das Land noch einige Zeit die Mehrheit an der AMG halten wird, soll die neue Gesellschafterkonstellation auf Konsens angelegt sein."Deshalb erwarten wir, daß sich Landwirtschaft und Ernährungsindustrie im Aufsichtsrat engagieren und bereits über die Nachfolge des aus dem Amt geschiedenen Geschäftsführers der AMG mitentscheiden", sagt Keller.Dieser Nachfolger soll zum 1.Januar berufen werden.Bis dahin soll der eigens zu diesem Zweck aus dem Ruhestand reaktivierte frühere Geschäftsführer der Agrarmarketinggesellschaft Niedersachsen die Geschäfte kommissarisch führen.

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