Wirtschaft : Nach den Wünschen von Bernd Pischetsrieder

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Für den neuen VW-Chef Bernd Pischetsrieder werden am heutigen Freitag die Arbeitsbedingungen der kommenden Jahre festgelegt. Am Stammsitz in Wolfsburg entscheidet der Aufsichtsrat des größten europäischen Autoherstellers über die Investitionen bis 2006. Ferner steht eine neue Struktur des Konzerns auf der Tagesordnung und schließlich wird sich das Aufsichtsgremium mit Personalien beschäftigen. Denn wenn Pischetsrieder im April die Nachfolge von Ferdinand Piëch antritt, soll VW so aufgestellt sein, wie der frühere BMW-Chef sich das wünscht.

Und zwar geteilt in drei Bereiche: Zum einen zwei Pkw-Sparten unter den Etiketten "klassisch" - mit den Marken VW, Skoda und Bentley, sowie "sportlich" (Audi, Seat und Lamborghini), und zum anderen die Nutzfahrzeuge mit den VW-Transportern sowie der anteiligen Tochter Scania. Die klassischen Marken will Pischetsrieder selbst führen, für die sportlichen wird der bisherige VW-Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn gehandelt; in dem Fall gäbe es kaum noch Verwendung für Audi-Chef Franz-Josef Paefgen.

Paefgen wird seit Monaten von Piëch angeschossen. Der große Boß in Wolfsburg wirft der Ingolstädter Tochter mehr oder weniger deutlich eine Innovations- und Modellschwäche vor. Geärgert hat Piëch, dass Audi für das abgelaufene Geschäftsjahr einige hundert Millionen Mark weniger Gewinn an die Mutter abführen wollte, als in Wolfsburg eingeplant worden war. Paefgen hätte somit die Abschiedsbilanz von Piëch beeinträchtigt. Der Rheinländer Paefgen ist seit 21 Jahren bei Audi, seit 1997 als Vorstandsvorsitzender. Die Modellpalette wurde deutlich erweitert (Audi TT, A 2) und Audi insgesamt zu einem Gegner von BMW aufgebaut.

Dass es Lücken im Produktprogramm gibt - zum Beispiel fehlt ein Geländewagen oder ein Van - liegt indes keineswegs allein in der Verantwortung der Ingolstädter. Vielmehr musste Audi hinter der Mutter zurückstecken. Piëch oberstes Ziel war die Aufwertung der Kernmarke: Deshalb gibt es demnächst einen Nobel-VW unter dem vorläufigen Namen D 1 aus Dresden; deshalb entwickelt VW (gemeinsam mit Porsche) einen Geländewagen und deshalb wird im Rahmen des lange umstrittenen Modells 5000 mal 5000 ein VW-Minivan gebaut.

Die Oberklassensstrategie ist schwer umstritten. Vor allem die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat werfen Piëch vor, Milliarden in Prestigeprojekte gesteckt zu haben. Neben dem D 1 ist das vor allem der neue Bentley und eine aufwändige Bugatti-Studie. Ganz zu schweigen von dem enormen Preis, den Piëch vor einigen Jahren für die Marken Rolls-Royce und Bentley zahlen musste. Anstatt einem Bugatti mit 1000 PS und zum Preis von einer Million will VW-Betriebsratschef Klaus Volkert lieber einen echten Volkswagen, ein Einsteigerauto zum Preis von 15 000 Mark.

Mit solchen Details wird sich der Aufsichtsrat heute nicht beschäftigen. Aber es geht immerhin um ein Investitionsvolumen von mehr als 60 Milliarden Mark in den kommenden fünf Jahren. Volkert wie auch Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) als Vertreter des größten VW-Anteilseigners wollen natürlich vor allem die inländischen Werke mit Investitionen, neuen Modellreihen und somit sicheren Arbeitsplätzen ausgestattet sehen. Die Fünf-Jahres-Planung des vergangenen November sah von 63,5 Milliarden Mark rund 38 Milliarden für deutsche Werke vor. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen haben die Mehrheit im Aufsichtsrat.

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