Nach der Air Berlin-Pleite : Ryanair lockt Piloten mit 25.000 Euro mehr Gehalt

Der irische Billigflieger bietet deutlich höhere Gehälter - doch vielen Kapitänen reicht das nicht.

von
Trotz der Flugstreichungen rechnet Ryanair mit einem Rekordgewinn für das laufende Geschäftsjahr
Trotz der Flugstreichungen rechnet Ryanair mit einem Rekordgewinn für das laufende GeschäftsjahrFoto: Emmanuel Dunand/AFP

Fast 700.000 Passagiere waren zuletzt von Flugstreichungen bei Ryanair betroffen. Der Grund dafür waren fehlende Piloten. Trotzdem will der Chef des irischen Billigfliegers von einem generellen Problem nichts wissen. „Wir haben keinen Pilotenmangel“, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Dublin. Stattdessen hätten Fehler in der Dienst- und Urlaubsplanung dazu geführt, dass seit September rund 20.000 Flüge gestrichen wurden. Bis zu 50 Flugzeuge bleiben jeden Tag am Boden, ein Teil der Verbindungen wird während des gesamten Winterflugplanes ausgesetzt. Das Unternehmen senkte daraufhin erstmals seit Jahren seine Wachstumsprognose von 131 Millionen Passagiere auf 129 Millionen pro Jahr.

900 neue Piloten

Ryanair beschäftigt nach eigenen Angaben 4.200 Piloten und hat in diesem Jahr bereits 900 weitere eingestellt. Die Zahl soll sich weiter erhöhen, denn das Unternehmen bekomme laut O´Leary derzeit zahlreiche Bewerbungen von früheren Kapitänen der Air Berlin, vor allem aber auch vom insolventen britischen Ex-Konkurrenten Monarch.

Allerdings räumte O´Leary auch einen verschärften Wettbewerb um erfahrene Piloten ein, daher hebt Ryanair nun die Bezahlung an. Die Löhne sollen um mehr als 20 Prozent über denen von Wettbewerbern wie Norwegian Airlines liegen. Doch vielen der bisherigen Piloten reicht die angebotene Erhöhung von knapp 25.000 Euro pro Jahr nicht aus. 60 Prozent der Kapitäne an Ryanairs größter Basis London Stansted lehnten das Angebot laut irischen Medienberichten ab.

Anhebung des Basislohns von 72000 auf 168.000 Euro gefordert

Dahinter steht offenbar auch der Versuch einer gewerkschaftlichen Organisation. Die Pilotenvereinigung European Employee Representative Council (EERC) stellt standortübergreifende Forderungen an die Airline, die bisher nur separate Vereinbarungen für die mehr als 80 Stützpunkte aushandelt. Gefordert wird eine Anhebung des Basislohns von 72.000 auf 168.000 Euro. Zudem soll Ryanair auch die Uniformen, sowie Getränke und Snacks zahlen, für die bislang die Piloten selbst aufkommen müssen. Außerdem fordert die EERC, dass Ryanair Kapitäne fest anstellt, die bisher über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt werden.

Es gibt schon lange Streit um Gehälter und Arbeitsbedingungen. Erik Fengler flog von 2011 bis 2013 bei Ryanair und wirft der Airline „Rosinenpickerei“ vor. „Ich musste eine Firma gründen, um dort arbeiten zu können“, sagt der Pilot. Die deutsche Gewerkschaft Ufo hatte das Unternehmen vor einer Woche zu Tarifverhandlungen für die 700 bis 1.000 in Deutschland stationierten Flugbegleiter aufgefordert. Die Ryanair-Bedingungen seien in Deutschland „schlicht illegal“. Die Gewerkschaft wirft Ryanair vor, Flugbegleiter in Deutschland nach irischem Recht zu beschäftigen. Das ermögliche kurze Kündigungsfristen, weniger Urlaubstage und die dauerhafte Anstellung in Leiharbeit. Der Billigflieger verschaffe sich durch Lohndumping und Umgehung gesetzlicher Bestimmungen unfaire Wettbewerbsvorteile. Ryanair lehnt Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften ab.

Ryanair rechnet mit Rekordgewinn

Trotz der zahlreichen Flugstreichungen rechnet Ryanair weiterhin mit einem Rekordgewinn für das laufende Geschäftsjahr. O'Leary erwartet bis Ende März 2018 einen Überschuss von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro. Rückerstattungen und Entschädigungen für die gestrichenen Flüge dürften zwar das Ergebnis belasten. Die Ticketpreise im Winter würden aber nicht ganz so stark fallen wie zuletzt angenommen, glaubt O’Leary. Die Flugtickets werden im Winterhalbjahr bis Ende März demnach im Schnitt um vier bis sechs Prozent billiger werden als ein Jahr zuvor. Bisher war Ryanair von einem Rückgang um fünf bis sieben Prozent ausgegangen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

Autor

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben