Nach der Aschewolke : Das nächste Chaos kommt bestimmt

Vulkanasche über Europa, Flugverbote – alle 50 Jahre kann sich das wiederholen, meint der Münchener Rückversicherer Munich Re.

von
Er raucht noch immer, der Vulkan Eyjafjöll. Doch seit Donnerstag läuft der Flugverkehr wieder planmäßig. Wegen der Aschewolke war der Luftraum tagelang gesperrt. Foto: Reuters
Er raucht noch immer, der Vulkan Eyjafjöll. Doch seit Donnerstag läuft der Flugverkehr wieder planmäßig. Wegen der Aschewolke war...Foto: REUTERS

Berlin - Volle Züge, leere Flughäfen – und über allem eine schwarze Wolke aus Vulkanasche. Glaubt man den Experten der Munich Re, könnte das in Zukunft durchaus häufiger vorkommen. Dass ein Vulkanausbruch wie in Island mit der passenden Wetterlage zusammentrifft und die Aschewolke dann über Europa zieht, sei sicher ein seltenes Ereignis, es könnte sich aber circa alle 50 Jahre wiederholen, sagt Peter Höppe. Höppe leitet die renommierte Abteilung Klimaforschung beim Münchener Rückversicherer. Vulkane, das weiß der Risikoforscher, gibt es in Europa reichlich, vor allem in Island. „Aber auch der Ätna und der Vesuv könnten ausbrechen“, warnt Höppe.

Die tagelangen Flugverbote, die Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verhängt hatte, stoßen bei Höppe auf Verständnis. „Die Behörden mussten eine Entscheidung fällen, ohne wirklich verlässliche Messdaten zu haben“, sagt der Klimaexperte. „Im Zweifel muss die Sicherheit Vorrang haben“.

Die Aschewolke, die vom Vulkan Eyjafjöll ausgespuckt wurde, hatte ein beispielloses Chaos im Luftverkehr hervorgerufen. Erst seit Donnerstag starten und landen die Flugzeuge auf den europäischen Flughäfen wieder weitgehend planmäßig. Den Milliardenschaden für die Flugausfälle tragen die Fluggesellschaften im Wesentlichen allein. Zwar bieten die Versicherungen Policen gegen Flugausfälle an, „der Zuspruch der Airlines war aber bisher gering“, berichtet Höppe. Das könnte sich jetzt allerdings ändern.

Geophysikalische Ereignisse spielen bei den versicherten Schäden aus Naturkastrophen bislang eine untergeordnete Rolle. Die Schäden durch Naturkatastrophen summierten sich im vergangenen Jahr weltweit auf 50 Milliarden Dollar (rund 37 Milliarden Euro), davon trugen die Versicherer 22 Milliarden Dollar (rund 16 Milliarden Euro). An den Gesamtschäden hatten Vulkanausbrüche und Erdbeben 2009 einen Anteil von gerade einmal 12 Prozent. Schlimmer waren Stürme, Unwetter und Hagel mit einem Anteil von 66 Prozent an den Gesamtschäden und über 80 Prozent an den versicherten Schäden.

Bereits seit 1950 listet die Munich Re (früher Münchener Rück) Naturkatastrophen in ihrer Datenbank auf, rund 28 000 Fälle sind inzwischen dokumentiert. „In Deutschland haben sich die Naturereignisse seit 1970 verdreifacht“, sagt Höppe. Vor allem Stürme, Hagel und Starkregen machen Hausbesitzern zu schaffen und lassen die Keller volllaufen.

Von Winterstürmen sind die Deutschen in diesem Jahr jedoch weitgehend verschont geblieben. Nur Orkan „Xynthia“ fegte Ende Februar durch Europa, im Vergleich zu Frankreich oder Spanien kam Deutschland jedoch noch vergleichsweise glimpflich davon. Bedanken können sich Hausbesitzer und Autofahrer ausgerechnet bei dem langen Winter, der Deutschland monatelang in Atem gehalten hatte. „Dadurch hatten wir weniger Stürme“, sagt Klimaforscher Höppe.

Obwohl viele Bürger den Eindruck hatten, dass statt der vermeintlichen Klimaerwärmung eine neue Eiszeit aufzieht, war der Winter nach den Berechnungen der Wetterdienste nicht übermäßig kalt. Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 1960 bis 1990 lag die Durchschnittstemperatur hierzulande gerade einmal 1,5 Grad niedriger. „Früher waren solche Winter normal“, gibt Höppe zu bedenken. Doch die vielen warmen Winter hätten die Leute verwöhnt. Nach Einschätzung der Klimaforscher wird 2010 weltweit eines der wärmsten Jahre seit Aufzeichnung der Wetterdaten im Jahr 1880. Das habe sich bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres gezeigt. „Der Februar war der wärmste seiner Art, der März war der zweitwärmste und der Januar der drittwärmste seit 1880“, berichtet Höppe. Der Grund: Als Folge des Klimawandels habe sich der Nordatlantik erwärmt, hinzu kommt die Meeresströmung El Nino, die die Temperatur vor allem im Pazifik weiter in die Höhe treibt. Meldungen, dass die Temperaturen in Europa sinken, weil die Sonne an Kraft verliere, haben keine wissenschaftlich abgeklärte Basis, sagt Höppe. Im Gegenteil: Die Zahl der Sonnenflecken – ein Indiz für starke Strahlung – nehme zu, „in zwei Jahren wird das Maximum der Sonnenfleckenzahl erwartet“, prognostiziert der Forscher.

„Der Klimawandel geht weiter“, davon ist der Experte überzeugt. Und für die Politik sei es allerhöchste Zeit, den Ausstoß des Klimagiftes CO2 zu begrenzen. Vom Klimagipfel in Kopenhagen, der keine rechtlichen Verpflichtungen gebracht hat, ist die Munich Re „sehr enttäuscht“. Nun will sie selbst gegensteuern: Gemeinsam mit einem internationalen Konsortium von Konzernen will Munich Re mit dem Projekt „Desertec“ aus Wüstensonne Strom gewinnen und nach Europa bringen. Klappt das, könnten solche solarthermischen Kraftwerke überall auf der Welt gebaut werden. „Wüsten gibt es überall“, sagt Höppe.

2 Kommentare

Neuester Kommentar