Nach der Flexstrom-Pleite : Wie die Kunden ihr Geld retten können

Verbraucher, die ihren Strom bereits per Vorkasse an den insolventen Stromanbieter Flexstrom bezahlt haben, dürften einen Großteil ihres Geldes nicht wiedersehen. Verbraucherschützer raten: Einzugsermächtigungen widerrufen, nichts mehr zahlen, neuen Anbieter suchen.

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Fahnen wehen am 03.01.2013 in Berlin vor dem Firmensitz des Strom-Discounters Flexstrom.
Fahnen wehen am 03.01.2013 in Berlin vor dem Firmensitz des Strom-Discounters Flexstrom.Foto: dpa

Die gute Nachricht vorab: „Niemand muss befürchten, im Dunkeln zu sitzen“, betont Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin. „Wenn die Kunden nicht mehr von Flexstrom beliefert werden, fallen sie automatisch in die Grundversorgung.“ Der Strom kommt dann von Vattenfall – allerdings zu einem vergleichsweise teuren Tarif.

Dass die Kunden des Billiganbieters – zumindest vorübergehend – mehr für ihren Strom ausgeben müssen als derzeit, ist aber nicht die einzige schlechte Nachricht. Vor allem die Verbraucher, die ihren Strom bereits per Vorauskasse bezahlt haben, dürften ihr Geld oder zumindest einen Großteil der Summe nicht mehr wiedersehen, warnt Jan Bornemann von der Verbraucherzentrale Hamburg. Erfahrungsgemäß bekämen die Gläubiger in Insolvenzverfahren nämlich nur rund fünf Prozent ihrer Forderungen zurück.

Grafik: R. Reinheckel

Wer kann, sollte sein Geld daher jetzt möglichst zurückhalten. Vorauszahlungen sollte man auf keinen Fall mehr leisten, da sind sich die Verbraucherschützer einig. Auch wer in den vergangen Wochen per Einzugsermächtigung an Flexstrom gezahlt hat, sollte nicht nur seine Einzugsermächtigung widerrufen, sondern auch sein Geld über die Bank zurückholen. „Das ist für Zahlungen aus den vergangenen acht Wochen möglich“, versichert Ruschinzik. Wer das Geld dagegen überwiesen hat, kann nichts mehr machen.

Seit Freitagnachmittag leitet Vattenfall als Netzbetreiber keinen Strom mehr von Flexstrom durch das Berliner Stromnetz. Kunden werden jetzt vom Grundversorger beliefert, auch das ist in Berlin Vattenfall. In der nächsten Woche erhalten die Betroffenen gleich zwei Mal Post: Zunächst teilt ihnen Vattenfall als Netzbetreiber mit, dass sie nicht mehr von Flexstrom beliefert werden, anschließend begrüßt sie der Stromlieferant Vattenfall als neue Kunden.

Wer der teuren Grundversorgung entkommen will, sollte sich dann möglichst schnell einen neuen Anbieter suchen. „Das ist jederzeit möglich“, sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Stefan Hönemann. Der Wechsel sollte zwar per Gesetz innerhalb von zwei Wochen über die Bühne gehen. „Realistisch sind aber vier Wochen“, sagt Verbraucherschützer Bornemann. Übrigens: In unserer unten stehenden Strompreisübersicht für Wechsler sind bestimmte Tarife ausgeklammert, etwa die mit Vorauskasse.

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