Wirtschaft : Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe

Munich Re korrigiert Gewinnprognose nach unten

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München - Daniela Bergdolt stellt die Frage, die die 3600 Aktionäre bei der Hauptversammlung der Munich Re am meisten beschäftigt: „Gibt es eine Munich Re vor und eine nach der Katastrophe von Japan?“ Die Vertreterin der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz möchte von Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef des weltweit größten Rückversicherers, wissen: „Was ist der Worst Case, der schlimmste Fall?“ Bei welchen Naturkatastrophen würde die Munich Re (ehemals Münchener Rück), die viele normale Versicherungen absichert, ins Wanken geraten?

Bomhard gibt sich nachdenklich. Gerade nach dem stärksten jemals in Japan gemessenen Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami werde ein Rückversicherer gebraucht . „Jetzt müssen wir stehen und helfen können.“ Mit den Folgen der Atomkatastrophe hat das Münchner Unternehmen wiederum nahezu nichts zu tun, denn Schäden durch Nuklearunfälle werden von den Staaten selbst versichert.

Allerdings haben die geballten Naturkatastrophen in den ersten drei Monaten dieses Jahres die Geschäftsplanungen der Munich Re mit ihren 47 000 Mitarbeitern völlig durcheinandergebracht: die Überschwemmungen und der Zyklon „Yasi“ im Februar in Australien, kurz darauf das schwere Erdbeben von Neuseeland und dann Japan. Im ersten Quartal wird der Konzern deshalb einen Verlust einfahren. Auch der angestrebte Jahresgewinn von 2,4 Milliarden Euro sei „unerreichbar“. Allerdings wird für 2011 dennoch ein positives Ergebnis angestrebt. Da konnten sich die meisten Aktionäre auch nicht so richtig darüber freuen, dass die Dividende für das abgelaufene Jahr bei 6,25 Euro pro Aktie liegt, 50 Cent mehr als im Jahr zuvor.

Bei Bomhards Rede ist neben ihm ein riesiger „Globus der Naturgefahren“ auf die Wand gestrahlt, der am besten verdeutlicht, um was es geht. In drohendem Dunkelgrün bis zu Tiefschwarz sind die Weltregionen eingehüllt, in denen Katastrophen drohen. Die Grün-Wolken bedecken riesige Flächen rund um Australien, Fernostasien und den Pazifik, sowie die Karibik. „Der Optimismus ist verschwunden“, sagt Aktionärsvertreterin Bergdolt resigniert. Nikolaus von Bomhard hingegen meint: „Das ist eine zufällige Häufung einzelner Ereignisse.“ Erdbeben ließen sich nicht verhindern, immer stärkere Stürme und Überschwemmungen hingegen seien mit mehr Klimaschutz abzumildern.

Die Schadenssummen zeigen überdeutlich, wie sehr die ersten drei Monate des Jahres das Unternehmen gebeutelt haben: Schon für Australien und Neuseeland müssen 1,1 Milliarden Euro aufgebracht werden. Das sind zwei Drittel des für 2010 insgesamt bezahlten Betrages für Naturkatastrophen. Um im Plan zu bleiben, hätte schon da nicht mehr viel passieren dürfen. Erdbeben und Tsunami in Japan hingegen werden den Rückversicherer noch einmal 1,5 Milliarden Euro kosten. Dennoch meint Bomhard: „Die Versicherung von Naturkatastrophen ist unser Kerngeschäft, wir zweifeln nicht an diesem Modell.“ Allerdings sagt er auch: „Die Hurrikan-Saison liegt noch vor uns.“ Und er erwähnt, dass für Kalifornien ein schweres Erdbeben erwartet wird: Das könne bald passieren oder aber erst in 50 Jahren. Patrick Guyton

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