Nach der Katastrophe von Moore : Munich Re: Tornado-Saison wird eher ruhig

Trotz des verheerenden Wirbelsturms in Oklahoma rechnen Versicherer in diesem Jahr nicht mit großen Schäden durch Tornados und Hurrikane.

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Kein Zuhause mehr: Der Wirbelsturm in Oklahoma hat 2400 Häuser zerstört und knapp 10 000 beschädigt.
Kein Zuhause mehr: Der Wirbelsturm in Oklahoma hat 2400 Häuser zerstört und knapp 10 000 beschädigt.Foto: Reuters

Berlin - 24 Tote, 2400 zerstörte Häuser, Sachschäden von bis zu zwei Milliarden Dollar – der Tornado, der Anfang der Woche die US-Kleinstadt Moore heimsuchte, hat eine verwüstete Stadt hinterlassen. Nun geht auch in anderen Orten Oklahomas und in Arkansas – den Staaten, die besonders häufig von solchen Wirbelstürmen betroffen sind – die Angst um. Experten erwarten jedoch keine besonders schwere Tornadosaison: „Wir glauben, dass Moore eher ein Einzelereignis war“, sagte Peter Höppe, Chef-Klimaforscher der Munich Re, dem Tagesspiegel.

Bereits seit 1970 listet die weltgrößte Rückversicherung Naturkatastrophen in ihrer Datenbank auf. Für dieses Jahr rechnet Höppe, Leiter der Geo-Risiko-Forschungsabteilung, mit einem relativ ruhigen Jahr, zumindest was die Zahl der Tornados angeht. Denn die Klimaphänomene El Niño und La Niña, die zu heftigen Temperaturschwankungen der Meere und in der Folge zu Stürmen und Überschwemmungen führen, haben sich zuletzt deutlich abgeschwächt. „Wir sind seit einigen Monaten in einem neutralen Bereich und werden dort auch die nächsten Monate bleiben“, berichtet Höppe. Für die Bewohner in von Tornados oder Hurrikanen bedrohten Gebieten ist das eine gute Nachricht. „Die neutralen Perioden sind erfahrungsgemäß die Jahre, in denen die geringsten Schäden auftreten“, betont Höppe.

Tatsächlich waren die USA bis zum Unglück von Moore vergleichsweise glimpflich davongekommen. Gerade einmal 336 Tornados haben die Meteorologen in diesem Jahr registriert, so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr. 2011, dem Jahr mit den meisten Naturkatastrophen aller Zeiten, waren zur selben Zeit bereits 1116 Tornados über den Mittleren Westen hinweggefegt. Tornados haben im Frühling Hauptsaison. Die Stürme bilden sich, wenn die kalte Luft aus Kanada auf die warme, feuchte Luft aus dem Golf von Mexiko trifft. Die Folge sind heftige Gewitter – und Tornados. Im Sommer, wenn die Luft, die aus Kanada kommt, wärmer ist, ist der Spuk vorbei. Dann beginnt jedoch die Zeit der Hurrikane.

Und die haben es in sich: Im vergangenen Jahr hatte der Hurrikan „Sandy“ an der Ostküste der USA Schäden von 50 Milliarden Dollar angerichtet. Von den 160 Milliarden Dollar (120 Milliarden Euro), die 2012 weltweit durch Naturkatastrophen verursacht worden sind, entfielen 67 Prozent auf die USA, von den versicherten Schäden gingen sogar 90 Prozent auf das Konto der USA. Neben „Sandy“ mussten die Versicherer auch für die Folgen der langen Dürre zahlen. Für die Versicherer sind Hurrikane die größere Gefahr. Denn während sich die Tornados, die kleinräumigen Landwirbelstürme, schnell auflösen und nur lokal begrenzt auftreten, ziehen die über den tropischen Ozeanen entstehenden Wirbelstürme oft tagelang über Inseln und das Festland. Dabei entwickeln sie einen Durchmesser von bis zu 1500 Kilometern. Mit einem Schaden von 125 Milliarden Dollar war Hurrikan „Katrina“ nach dem Tsunami in Japan die zweitteuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Doch auch bei Hurrikanen rechnet Höppe derzeit nicht mit außergewöhnlich vielen Schäden. „Es gibt keine Anzeichen, dass uns eine extrem aktive Saison bevorsteht“, schätzt der Wissenschaftler.

Bei Tornados liegen die Schäden dagegen selten über einer Milliarde Euro. In Moore dürfte das aber anders sein. Weil der Sturm dieses Mal dicht besiedeltes Gebiet getroffen hat, könnte ein kompletter Wiederaufbau nach einer Analyse des Versicherungsdienstleisters AIR Worldwide mehrere Milliarden Dollar kosten.

Auch in Deutschland gibt es rund 30 Tornados im Jahr. Die Alpen verhindern Schlimmeres, weil sie die subtropischen von den arktischen Luftmassen besser trennen, als dies in den weiten Ebenen der USA der Fall ist. Und auch die Schäden halten sich in Grenzen. Nur einmal war das anders: Im Juli 1968 fegte ein Tornado der zweitstärksten Intensitätsstufe durch Pforzheim. Zwei Menschen starben, 200 wurden verletzt. Der Sachschaden betrug über 100 Millionen DM. Damals war das viel, aber: „Heute hätten wir einen Milliardenschaden“, sagt Höppe.

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