Wirtschaft : Nach der Kirch-Pleite: TV Loonland will die Gunst der Stunde nutzen

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Ungeachtet verfehlter Vorjahresprognosen und der Kirch-Krise rechnet Europas führender Trickfilmproduzent TV Loonland (TVL) dieses Jahr mit Wachstum. Sowohl der Umsatz als auch der Jahresüberschuss würden 2002 um 15 bis 20 Prozent auf rund 90 Millionen Euro Erlös und rund 10,5 Millionen Euro Nachsteuerergebnis zulegen, sagte am Mittwoch Finanzchef Carl Woebcke zur Bilanzvorlage in München voraus.

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Die aktuellen und noch drohenden Insolvenzen im Kirch-Imperium böten für TVL "mehr Chancen als Risiken". Denn Kirch habe seine Sender Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 bislang fast exklusiv aus dem eigenen Filmstock versorgt, sagte TVL-Chef und Gründer Peter Völkle. Künftig sieht er Chancen, auch mit diesen Sendern ins Geschäft zu kommen. Einen Preisverfall für Zeichentrickfilme befürchtet Völkle wegen Kirch nicht, weil der in diesem Segment kaum aktiv gewesen sei. Schwerer wiegt für TVL die Marktschwäche der Medienindustrie. So hat das Vorjahr statt geplanter 98 Millionen Euro Umsatz nur ein gut vierprozentiges Plus auf 77 Millionen Euro gebracht. Anders als ursprünglich geplant, habe man drei Filme nicht mit Partnern, sondern aus eigener Kraft finanzieren müssen, sagte Woebcke.

Der Jahresüberschuss konnte 2001 nicht wie vorgesehen auf über 13 Millionen Euro, sondern nur um neun Prozent auf neun Millionen Euro verbessert werden. Der Grund sei der abgesagte Börsengang der südkoreanischen Produktionstochter SRE. Die Finanzlage der Muttergesellschaft beurteilte Woebcke als sehr gesund, obwohl im Vorjahr die liquiden Mittel um die Hälfte auf 18 Millionen Euro gesunken sind. Im Vergleich mit Konkurrenten stünden die Münchner mit ihren Produktionsfirmen in Deutschland, Großbritannien, den USA und Südkorea gut da. Die Marktbereinigung werde noch einige Zeit anhalten und TVL als Gewinner daraus hervorgehen, so Woebcke.

Den Börsen fehlt offenbar diese Zuversicht. Am Mittwoch gab die im Neuen Markt notierte TVL-Aktie leicht auf noch 9,5 Euro nach. Vor Jahresfrist hatte das Papier noch 37 Euro gekostet.

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