Wirtschaft : Nach der Krise ist vor der Krise

Währungsfonds warnt vor verschärfter Rezession in Zypern.

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Abbau. Die Laiki Bank, das zweitgrößte Geldinstitut Zyperns, musste in die geordnete Insolvenz. Foto: dpa
Abbau. Die Laiki Bank, das zweitgrößte Geldinstitut Zyperns, musste in die geordnete Insolvenz. Foto: dpaFoto: dpa

Athen - Das Zehn-Milliarden-Euro-Hilfspaket für Zypern ist geschnürt, die erste Rate der Hilfskredite bereits überwiesen und damit die drohende Staatspleite erst einmal abgewendet. Ist die Kriseninsel gerettet? Keineswegs, meint der Internationale Währungsfonds (IWF). Er warnt vor großen Gefahren. Zypern könnte „in einen Teufelskreis aus Pleiten, fallenden Immobilienpreisen, Bankverlusten und Arbeitslosigkeit“ geraten, fürchten Experten des Fonds. „Angesichts der ungewissen Auswirkungen der Bankenkrise und der Haushaltskürzungen auf die ökonomische Aktivität bleiben die volkswirtschaftlichen Risiken ungewöhnlich hoch“, heißt es in einem am vergangenen Freitag in Washington veröffentlichten Bericht des IWF.

Der Fonds erwartet für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 8,7 Prozent. 2014 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um weitere 3,9 Prozent schrumpfen. Für 2015 rechnet der IWF mit einer Rückkehr zum Wachstum. Die Experten des Fonds scheinen aber ihren eigenen Prognosen nicht sonderlich zu trauen. Möglicherweise werde die Rezession wegen des Sparkurses deutlich schärfer ausfallen, heißt es in dem Bericht. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter zyprischen Finanzexperten könnte das BIP in diesem Jahr um 15 Prozent oder sogar noch mehr zurückgehen.

Dass der IWF die Konjunkturentwicklung in Krisenstaaten mitunter viel zu optimistisch einschätzt, zeigt das Beispiel Griechenland. Dort erwartete der Fonds ursprünglich für 2012 ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent. Tatsächlich schrumpfte das BIP um 6,5 Prozent. Und in diesem Jahr wird die griechische Wirtschaftsleistung nicht, wie zunächst vom IWF erwartet, um 2,1 Prozent wachsen, sondern um weitere 4,5 Prozent zurückgehen.

„Hohe Risiken“ gingen jetzt in Zypern vor allem von der Bankenkrise aus, heißt es in dem IWF-Bericht. Sie könne zu einem Vertrauensverlust führen und einen Abfluss großer Guthaben auslösen, was das ohnehin gefährdete Bankensystem weiter schwächen würde. Als Vorleistung für die Hilfskredite musste Zypern das zweitgrößte Kreditinstitut des Landes, die Laiki Bank, in eine geordnete Insolvenz schicken. Beim größten Geldinstitut, der Bank of Cyprus, werden Anleger mit Guthaben von über 100 000 Euro teilenteignet, um die Bank zu rekapitalisieren.

Der IWF-Bericht kann als eine indirekte Kritik an dem Zypern-Rettungskonzept der Euro-Finanzminister interpretiert werden. Man fragt sich aber, warum der Fonds einem jetzt als so überaus riskant dargestellten Plan überhaupt zugestimmt hat. Schließlich war der IWF an den Verhandlungen durch seine Chefin Christine Lagarde beteiligt und steuert eine Milliarde Euro zur Zypern-Rettung bei. Meinungsverschiedenheiten gibt es jetzt auch zum weiteren Vorgehen. Während die Euro-Finanzminister Zypern drängen, die Kapitalverkehrskontrollen zu lockern, warnt der IWF in seinem Bericht genau davor, weil eine Lockerung der Kontrollen neue Gefahren für den Finanzsektor heraufbeschwören könnten. Sollte es dazu kommen, müssten noch mehr Maßnahmen ergriffen werden, um die Schuldentragfähigkeit aufrechtzuerhalten, warnt der Bericht. Im Klartext: Dann braucht Zypern weitere Hilfsgelder. Gerd Höhler

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