Wirtschaft : Nach der Steuerentscheidung: Aktien profitieren von der Steuerbefreiung auf Veräußerungsgewinne

Bernd Frank

Nach der bisherigen Sommerflaute gibt es wieder Hoffnung. Auch wenn die Steuerreform unbestreitbar Mängel aufweist, so sorgt sie doch an der Börse für ein Aufatmen. Bereits am Freitag zählten erwartungsgemäß die Finanztitel zu den Hauptgewinnern. Von 2002 an brauchen Kapitalgesellschaften die Gewinne, die sie aus der Veräußerung von Beteiligungen an anderen Kapitalgesellschaften erzielen, nicht mehr zu versteuern - sofern die Beteiligung mindestens ein Jahr in ihrem Besitz war. Die großen Bank- und Versicherungskonzerne werden dies nutzen und in den nächsten Jahren ihre teilweise sehr umfangreichen Beteiligungen reduzieren. Diese zu erwartende "Entflechtung der Deutschland AG" wird nicht nur den Finanzkonzernen, sondern auch der Attraktivität des Standorts Deutschland und somit auch dem Aktienmarkt insgesamt zugute kommen, wie unter anderem auch die Bankgesellschaft Berlin schreibt.

Darüber hinaus ist neben den harten Fakten auch das psychologische Moment nicht zu vernachlässigen. Wenn schon für die Konjunktur und die Investitionsbereitschaft die Psychologie eine wichtige Rolle spielt, so gilt dies umso mehr für die Börse. "Natürlich gibt die Steuerreform auch stimmungsmäßig einen positiven Schub", sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege bei der Hypo-Vereinsbank. "Sie signalisiert, dass in Deutschland auch in einem schwierigen Bereich eine Reform durchgesetzt werden kann. Dies lässt auch auf andere Reformen wie beispielsweise bei der Rente hoffen." Der Deutsche Aktienindex (Dax) habe in der vergangenen Woche bereits charttechnisch ein positives Signal gegeben und die monatelange Abwärtstrendlinie überwunden. "Wir sehen uns in der Einschätzung bestätigt, dass der Dax zum Jahresende 8300 Punkte erreichen kann." Als Hauptgewinner der Steuerreform sieht die Hypo-Vereinsbank die drei großen Finanzwerte Allianz, Münchener Rück und Deutsche Bank.

Von den Effekten der Steuerreform profitieren Branchen und Unternehmen ganz unterschiedlich, wie die Bankgesellschaft Berlin schreibt. "Der Gewinn nach Steuern wird sich insbesondere bei jenen Unternehmen überproportional erhöhen, die eine hohe Abschreibungsquote und/oder eine hohe Rückstellungsquote und/oder einen hohen Anteil inländischer Gewinne an den gesamten Unternehmensgewinnen und/oder eine niedrige Ausschüttungsquote aufweisen." Die Senkung der Körperschaftsteuersätze wirke sich nur bei den im Inland erzielten Gewinnen positiv aus. Eine niedrige Ausschüttungsquote erhöhe deshalb den Nettogewinn, weil die Steuersätze für einbehaltene Gewinne weit stärker gesenkt werden als die für ausgeschüttete Gewinne.

Neben den Finanzwerten als Hauptgewinnern der Steuerreform gehören nach Auffassung der Bankgesellschaft Berlin auch Versorgeraktien zu den Profiteuren. Auch sie haben teilweise hohe Beteiligungen. Es sind zwar auch positive Konsumeffekte aus der Steuerreform zu erwarten. Aber die Entlastung der Bürger kommt nur in kleinen Schritten, so dass erst mittelfristig merklich mehr Geld für Konsum zur Verfügung steht. Und von diesen zusätzlich verfügbaren Mitteln dürfte nur ein Teil für den Konsum verwendet werden, ein anderer Teil eher fürs Sparen und die Altersvorsorge. Je mehr fürs Sparen und die Altersvorsorge aufgewendet wird, desto weniger profitiert zwar der Einzelhandel, aber wiederum ein Teil der Anlagegelder dürfte in Aktien wandern, was den Markt insgesamt unterstützen würde. Euphorie dürfte die Steuerreform allein jedoch nicht auslösen. Weitere Reformen stehen an, und die Zinsentwicklung sowie die US-Börse werden weiterhin die Kurse mit beherrschen.

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