Wirtschaft : Nach drei Jahren neuer Bewag-Tarifvertrag

BERLIN (Sp).Für die Arbeitnehmer des Berliner Stromerzeugers Bewag wird es vom 1.Januar an keine bezahlten Überstunden mehr geben.Das ist Teil des neuen Tarifvertrages, den die Bewag am Mittwoch mit den Gewerkschaften DAG und ÖTV geschlossen hat.Zusätzliche Stellen werden aber nicht geschaffen werden.Die neuen Regelungen zur Arbeitszeitflexibilisierung sollen nach den Worten des Verhandlungsführers der Bewag, Arbeitsvorstand Kurt Lange, lediglich dazu führen, daß "weniger Stellen gestrichen werden".Lange, der noch vor einem Jahr als Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV auf der anderen Seite des Verhandlungstisches gesessen hatte, lobte im Gespräch mit dem Tagesspiegel den Tarifvertrag als "richtungsweisend", vor allem vor dem Hintergrund der erst vor kurzem privatisierten Stromwirtschaft.

Die Vereinbarung ist nach mehr als dreijähriger Verhandlungszeit zustande gekommen.Zuvor standen die Verhandlungen still, weil die Arbeitgeber die Arbeitszeitflexibilisierung und den Leistungslohn als Paket verhandeln wollten.Dies hatten die Gewerkschaften strikt abgelehnt.Die am Dienstag getroffene Vereinbarung gibt nun der Forderung der Gewerkschaft nach, in einem ersten Schritt nur die Arbeitszeitflexibilisierung zu regeln."Das heißt aber nicht, daß der Leistungslohn vom Tisch ist", sagte Arbeitsvorstand Lange.

Die Tarifvertrag sieht unter anderem vor, Arbeitskonten einzuführen.Den Arbeitnehmern wird künftig eine tägliche Arbeitszeit zwischen sechs und zehn Stunden zugeordnet.Die Tagesarbeitszeit wird sich nach Langes Worten nach den Bedürfnissen der Bewag-Kunden richten.Damit verbessere sich die Wettbewerbsfähigkeit der Bewag.Den Arbeitnehmern werde künftig "auf Anordnung" die tägliche Arbeitszeit zugeteilt.Flexibilität ist bei der täglichen und der wöchentlichen Zuteilung möglich: sie liegt zwischen sechs und zehn Stunden am Tag und 30 und 50 Stunden in der Woche.Sieben Arbeitstage im Voraus wird dem Arbeitnehmer sein Wochenarbeitsplan mitgeteilt.Wird die Mitteilungsfrist von sieben Tagen unterschritten, muß die Bewag Überstunden, wie bisher, entlohnen.Im Gegenzug kann der Arbeitnehmer Freizeit akkumulieren und abbummeln.Tausch von Freizeit gegen Geld soll die Ausnahme sein.

Zudem wird für jeden Arbeitnehmer ein Langzeitarbeitskonto eingerichtet, auf dem er Zeit sammeln kann, die er als Sabbatjahr oder als Polster für vorzeitigen Ruhestand verwenden kann.Nach Langes Worten ist die Regelung für die Bewag kostenneutral.

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