Nach Einigung von Russland und Saudi-Arabien : Steigt der Ölpreis jetzt wieder?

Russland und Saudi-Arabien sind sich einig: Die Förderquote für Rohöl soll eingefroren werden. Doch damit die Preise wirklich steigen, müssen noch einige Hürden genommen werden.

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Sind sich einig: Russlands Energieminister Alexander Novak, sein Amtskollege Mohammad bin Saleh al-Sada aus Katar sowie die Ölminister aus Saudi-Arabien und Venezuela, Ali al-Naimi und Eulogio del Pino (von links).
Sind sich einig: Russlands Energieminister Alexander Novak, sein Amtskollege Mohammad bin Saleh al-Sada aus Katar sowie die...Foto: REUTERS

Berlin/Frankfurt am Main - Es waren drei kurze Sätze mit großer Signalwirkung, die Saudi-Arabiens Ölminister Ali al-Nuaimi am Dienstag der Weltpresse diktierte: „Wir wollen keine großen Preisschwankungen. Wir wollen das Angebot nicht verringern. Wir wollen die Nachfrage bedienen und den Preis stabilisieren“, sagte der Minister nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Russland, Katar und Venezuela in Katars Hauptstadt Doha. Die Märkte reagierten umgehend auf die Worte: Der Preis für ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent stieg um 1,5 Prozent auf knapp 34 Dollar.

Als sich wenig später dann der russische Energieminister Alexander Nowak an die Öffentlichkeit wandte und die Absprachen der Ölstaaten erläuterte, war es mit der Euphorie an den Rohstoffmärkten allerdings schnell wieder vorbei. Anders als erhofft hatten sich Saudis und Russen nämlich keineswegs auf eine Drosselung der Förderquote geeinigt, sondern lediglich beschlossen, die Förderung auf dem Niveau vom Januar einzufrieren. Die Vereinbarung sei zudem davon abhängig, dass sich andere Produzentenländer anschlössen, erläuterte Nowak weiter die Absprache des ungewöhnlichen Quartetts. Am Ölmarkt wurde daher nicht damit gerechnet, dass es bald zu einer Begrenzung des Angebots kommen wird. Der Ölpreise gaben daraufhin ihre Tagesgewinne wieder komplett ab und rutschen sogar ins Minus. Die Zweifel an der Wirksamkeit der jüngsten Vereinbarung sind offenkundig groß.

„Den Worten müssen auch Taten folgen“, sagte Frederik Kunze von der NordLB. Saudi-Arabien, das mit Abstand produktionsstärkste Opec-Land, lehnt Förderkürzungen ab. Das Königreich will seine Marktanteile gegen aufstrebende Ölförderer und US-Schieferölproduzenten verteidigen – notfalls auch mithilfe großer Mengen zu geringen Preisen. Russland, das der Opec nicht angehört, gehört ebenfalls zu den größten Ölförderländern. Allein Saudi-Arabien und Russland produzieren zusammen pro Tag gut zwanzig Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl. Das sind etwas mehr als zwanzig Prozent der weltweiten Tagesproduktion. Die Opec kommt auf etwa 33 Millionen Barrel.

Dennoch wäre für die krisengeschüttelte Rohstoffmacht Russland eine Festlegung auf das Januar-Niveau ein Etappensieg. Im Januar hatte Russland mit 46 Millionen Tonnen mehr Öl gefördert als in jedem anderen Monat 2015, hat die Agentur Tass ausgerechnet. Rechnet man die Januarmenge auf das Gesamtjahr hoch, würde Russland 2016 die Rekordmenge von 552 Millionen Tonnen produzieren. In bisherigen Szenarien war das Wirtschaftsministerium in Moskau von geringeren Mengen ausgegangen. Der Absturz der Ölpreise hat eine massive Abwertung der russischen Landeswährung Rubel zum US-Dollar und Euro ausgelöst und zu einer schweren Wirtschaftskrise beigetragen. Die Wirtschaftsleistung war 2015 nach Schätzungen des Statistikamtes im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent geschrumpft. Unklar war am Dienstag, wie hoch das Förderniveau der Opec- Staaten im Januar war.

Bis Russland und die anderen Öl-Nationen auf höhere Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft hoffen können, wird noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten sein. So äußerte sich etwa Iran am Dienstag äußerst zurückhaltend auf die jüngsten Pläne der vier Förderländer. „Bisher sehen wir Bedarf im Ölmarkt und wären daher nicht bereit, auf unseren Anteil zu verzichten“, sagte Irans Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh. Aber auch mit dem Iran soll offenbar gesprochen werden. Katars Ölminister Mohammed Saleh al-Sada kündigte jedenfalls an, dass dem Treffen von Doha nun „intensive“ Gespräche mit anderen Förderländern folgen sollen – egal, ob Mitglied der Opec oder nicht. Die in Katar vereinbarte Initiative solle den Markt stabilisieren, sagte al-Sada weiter. Das sei nicht nur im Interesse der Förderländer und Exporteure, sondern der gesamten Weltwirtschaft. Der saudische Minister al-Nuaimi ergänzte, hier handle es sich um den Beginn eines Prozesses, „den wir in den kommenden Monaten beobachten werden, um zu entscheiden, ob weitere Maßnahmen nötig sind.“

In Deutschland wird der Streit um die Förderquoten zunehmend skeptisch beobachtet. „Mit dem schnellen und heftigen Ölpreis-Verfall sind Spannungen an den Kapitalmärkten verbunden“, hatte Michael Heise, Chefökonom der Allianz, unlängst im Tagesspiegel gesagt. Weil den Öl-Nationen die Einnahmen wegbrechen und Haushaltslöcher gestopft werden müssen, ziehen sie Geld von den Märkten ab. Die amerikanische Bank JPMorgan Chase schätzt, dass in den vergangenen Monaten Kapital in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar deinvestiert wurde – eine Summe immerhin so hoch wie die gesamten Staatsausgaben von Tschechien. Seit Wochen machen daher auch Spekulationen über die Lage der Banken mit Blick auf den Öl- und Rohstoffsektor die Runde. Experten der Bank of America Merrill Lynch zufolge sollen Öl- und Gasfirmen weltweit bei den Banken rund 2,5 Billionen Dollar Schulden haben, 1,5 Billionen über Anleihen, der Rest über Kredite. Rund 400 Milliarden Dollar sollen es allein bei europäischen Banken sein.

Drohen den deutschen Banken in Folge des Ölpreisverfalls also neue Verwerfungen? Commerzbank-Chef Martin Blessing winkt ab. „Wir schätzen das als unproblematisch ein“, sagte er mit Blick auf die Kredite, die sein eigenes Institut an Firmen aus der Ölwirtschaft ausgegeben hat. 3,9 Milliarden Euro erscheinen viel, gemessen am gesamten Kreditvolumen der Commerzbank ist das mit einem Anteil von einem Prozent aber überschaubar. Ähnliches gilt wohl für die Deutsche Bank, ohne dass die Details nennt. Auch die Bundesbank beruhigt. Die Kapitalsituation der Banken habe sich stark verbessert, die aktuelle Lage sei „nicht im Geringsten mit der Lehman-Krise 2008 vergleichbar“. mit rtr/dpa

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