Nach Europa-League-Aus : Borussia-Aktie wird abgepfiffen

Fußball-Aktien sind nichts für schwache Nerven. Nach dem Aus von Borussia Dortmund in der Europa League fällt der Kurs der BVB-Papiers um 17 Prozent.

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Herbstmeister am Boden. Analysten machen BVB-Stars wie Mohamed Zidan Mut. Das frühe Ausscheiden aus der Europa League tut wirtschaftlich nicht weh. Wichtiger ist die Champions League – hier wird mehr Geld mit TV-Rechten und Tickets verdient.
Herbstmeister am Boden. Analysten machen BVB-Stars wie Mohamed Zidan Mut. Das frühe Ausscheiden aus der Europa League tut...Foto: dpa

Berlin - Die Börse ist wie ein Fußballplatz. Wo eben noch Glück, Glanz und Ruhm möglich waren, ist im nächsten Moment alles verloren. Fast alles. Die Aktionäre von Borussia Dortmund (BVB) machten diese schmerzliche Erfahrung am Donnerstag: Nach dem frühzeitigen Ausscheiden des BVB aus der Europa League am Vorabend gegen Sevilla kollabierte die Aktie – zum Handelsauftakt brach sie um knapp 17 Prozent ein. Dabei wechselten schon innerhalb der ersten Handelsstunde mehr BVB-Papiere den Besitzer als an einem gesamten Durchschnittstag.

Eigentlich kam der Dämpfer im europäischen Fußball für den deutschen Herbstmeister nicht überraschend. Kaum jemand hatte erwartet, dass die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp nach dem verlorenen Heimspiel die Vorrunde der Europa League in Sevilla überstehen würde. Nach der furiosen Erfolgsserie in der Bundesliga halten Analysten die wirtschaftlichen Folgen der Niederlage auch für verkraftbar: „Das Ausscheiden aus der Europa League fällt für Borussia Dortmund nicht so sehr ins Gewicht“, sagte Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe. „Wichtiger ist die Champions League. Hier lässt sich deutlich mehr Geld verdienen. Kann sich der BVB hierfür qualifizieren, hat die Aktie Upside-Potenzial.“

„Upside“ beschreibt treffend die Kursentwicklung der Dortmunder Fußball-Aktie im Jahr 2010: Das Papier erklomm nach den Siegen in der Bundesliga zwischenzeitlich 3,43 Euro und ist aktuell immer noch knapp dreimal so teuer wie zum Beginn der Saison. Der Kursrutsch am Donnerstag sei deshalb wohl auch auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen, erklärt Analyst Hein. „Die Verluste sind völlig überzogen, denn so viel Geld ist in der Europa League nicht zu verdienen“, sagte ein Händler an der Börse. „Jetzt kann sich der BVB auf die deutsche Meisterschaft konzentrieren, die zur Teilnahme an der Champions League qualifiziert.“

Fußballaktien, das zeigt der Fall des BVB – dem einzigen deutschen Klub, der an der Börse notiert ist –, sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven. So ist auch die Borussia-Aktie trotz der guten Performance in diesem Jahr weit von ihrem Ausgabekurs von elf Euro entfernt, den der Club beim Börsengang im Jahr 2000 erzielen konnte. BVB-Fans, die seit dem ersten Handelstag Aktionäre sind, haben 80 Prozent ihres Einsatzes verloren. Für einen soliden Vermögensaufbau sind Kicker-Papiere nicht geeignet.

Das liegt auch daran, dass sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg bei Sportclubs oft wenig miteinander zu tun haben – und die Aktien den Spekulanten überlassen bleiben. „Fußball-Aktien eignen sich natürlich auch zum Zocken, weil laufend sportliche Erfolge und Niederlagen Gelegenheiten bieten“, sagt Sebastian Hein. Die Frage, wie sich die Erlöse aus Werbeverträgen, Sponsoring oder TV-Vermarktung auf die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken, interessiert die Börse oft nur am Rande.

Verführerisch bleiben die Papiere nach den europaweiten Kursgewinnen dennoch – auch für Profis. „Die vergleichsweise hohen Umsätze der BVB-Aktie legen nahe, dass hier auch Anleger investieren, die solide rechnen“, bestätigt Analyst Hein. So hat der Stoxx-Europe-Football-Index, der die Kurse von 23 Vereinen abbildet, 2010 um ein Drittel zugelegt. Notiert sind darin neben dem BVB unter anderem AS Rom, Lazio Rom und Juventus Turin oder Ajax Amsterdam und Galatasaray Istanbul. Ähnlich gut ist der von Bloomberg aufgelegte Eurokick-Football-Index gelaufen.

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