Nach Fukushima : Weniger Ökos im Osten

Nach dem Atomunfall in Fukushima ist die die Nachfrage nach Ökostrom in Deutschland teilweise um bis zu 700 Prozent gestiegen. Das massenhafte Interesse währte allerdings nur kurz.

Philipp Krause

Der „private Atomausstieg“ hat in der Bundesrepublik tatsächlich stattgefunden. Jedenfalls in den ersten Tagen und Wochen nach Fukushima. Damals war die Nachfrage nach Ökostrom so hoch wie noch nie, hat das Verbraucherportal Toptarif ermittelt.

Bis zu 40 Prozent der Nachfrager erkundigten sich nach entsprechenden Angeboten, das waren doppelt so viele wie in den Monaten vor Fukushima. Dabei gab es regionale Unterschiede: Im Saarland befasste sich mehr als jeder Dritte mit den Ökoangeboten, während es in den ostdeutschen Bundesländern nicht einmal jeder Vierte tat. Ähnlich stark wie im Saarland waren die Stromverbraucher im Norden Deutschlands an Ökoenergie interessiert. Für Bremen zählten die Statistiker 32,2 Prozent und für Schleswig-Holstein 28,2 Prozent. Dagegen zeigten sich die Sachsen mit 23,4 Prozent eher als Ökomuffel.

Der Berliner Marktführer Vattenfall konnte nach dem Atomunfall im März bis in den Spätsommer hinein eine deutlich höhere Nachfrage nach Ökostrom feststellen. Zu genaueren Angaben war das Unternehmen auf Anfrage nicht bereit. Vattenfall verwies lediglich auf Testberichte, in denen die eigenen Ökostromprodukte besonders gut abgeschnitten hätten.

Deutschlandweit stieg die Nachfrage nach Ökostrom 2011 bei einigen Anbietern um bis zu 700 Prozent. Im April, also rund einen Monat nach der Katastrophe, interessierten sich dem Preisvergleichsportal Verivox zufolge an Spitzentagen sogar 80 Prozent der Kunden für Ökostromtarife. Das hielt indes nicht lange an: Im November lag das Niveau der Anfragen sogar noch unter dem Wert vom Januar.

Die Produktpalette der Ökostromtarife ist in den letzten vier Jahren stark gestiegen. Während 2008 25 Unternehmen Ökostrom im Sortiment hatten, waren es Ende 2011 dreimal so viele. Zu den größten Anbietern gehören Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy.

Einer Analyse von A.T. Kearney zufolge gibt es inzwischen zwei Millionen Kunden oder Haushalte hierzulande, die ausschließlich Ökostrom beziehen. Bis 2015 dürfte diese Zahl auf vier Millionen Haushalte steigen, was einem Marktanteil von zehn Prozent entsprechen würde.

Das Angebot für die Kunden wird ständig größer, entsprechend schwieriger gestaltet sich die Auswahl: Zu beachten sind Qualitätssiegel, da Qualitätsunterschiede größer werden. Und einige Anbieter, insbesondere die Ökospezialisten, verpflichten sich, einen Teil des Profits in den Bau neuer Windräder oder Solaranlagen zu investieren.

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