Wirtschaft : Nach Gerüchten über Euro-Teilnahme gerät das Pfund unter starken Druck

In Frankfurt (Main) fünfeinhalb Pfennig verloren / Regierung dementiert Zeitungsberichte / Währung wird nicht ohne Volksabstimmung abgeschafft

LONDON (AP/dpa).Die britische Regierung erwägt nach einem Bericht der "Financial Times" vom Freitag nun doch einen raschen Einstieg in die gemeinsame europäische Währung.Führende Kabinettsmitglieder von Premierminister Tony Blair werben laut der Zeitung offen für eine Euro-Teilnahme kurz nach 1999.Das Pfund soll demnach noch vor den nächsten Wahlen 2002 abgeschafft werden.Die Kehrtwendung gründe sich auf die Ansicht von Außenminister Robin Cook und Schatzkanzler Gordon Brown, wonach die Wirtschaft Schaden nehmen könnte, falls der Euro ohne Großbritannien erfolgreich gestartet werde.Die neue Labour-Regierung muß sich bis zum 1.Januar 1998 festlegen, wenn sie 1999 bei der Einführung des Euros dabeisein will.Sowohl Labour als auch die konservative Vorgängerregierung wollen das Pfund nicht ohne eine Volksabstimmung abschaffen. Wie die "Financial Times" weiter schreibt, ist eine Regierungserklärung von Blair zu diesem Thema in Kürze zu erwarten.Es sei nicht mehr undenkbar, daß ein Referendum über die Euro-Einführung positiv ausgehen könne."Das Klima hat sich geändert", wurde ein Minister zitiert."Jetzt ist klar, daß wir unsere Bereitschaft bekunden müssen." Experten erwarten, daß Großbritannien die Maastricht-Kriterien für die Euro-Teilnahme erreichen kann. Die britische Regierung wies die Berichte noch am gleichen Tag zurück."Dies ist reine Spekulation.Die Regierungshaltung ist unverändert", sagte ein Sprecher des Schatzamtes. Die britische Regierung hatte bisher immer betont, daß sie sich die Option eines Beitritts offenhalten will.Es sei aber unwahrscheinlich, daß die Regierung zur ersten Welle der beitrittswilligen Staaten gehöre.Außenminister Robin Cook hat zuletzt noch am 19.September vor Journalisten erklärt: "Wenn die gemeinsame Währung zustandekommt und sich als Erfolg herausstellt, wird es für Großbritannien langfristig schwierig sein, draußen zu bleiben." Mitglieder der früheren konservativen Regierungen hatten sich stets sehr viel kritischer geäußert. Die jüngsten Berichte über die angeblich veränderte Haltung der britischen Regierung haben den Kurs des britischen Pfundes, das bisher als eine bedeutende Währung voraussichtlich ohne Euro-Bindung galt, am Freitag deutlich sinken lassen.In London verlor die Devise am Freitag morgen fast fünf Pfennig gegenüber der D-Mark und wurde mit knapp 2,83 DM gehandelt.In Frankfurt (Main) wurde der amtliche Mittelkurs des Pfundes mit 2,8186 DM festgestellt.Das waren fünfeinhalb Pfennig weniger als am Donnerstag.

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